Streichputz innen auftragen – Anleitung für Rollputz an der Wand
Ratgeber

Streichputz innen auftragen – Anleitung für Rollputz an der Wand

Proma Farben Redaktion28. April 202610 Min. Lesezeit

Streichputz (auch Rollputz genannt) ist die schnellste Methode für strukturierte Wandoberflächen. Mit Körungen von 0,5 bis 1,0 mm lassen sich Wände und Decken in kurzer Zeit gestalten. Unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung erklärt Auftrag, Werkzeuge und Nacharbeiten.

Was Sie brauchen

Werkzeuge

  • Farbroller 25 cm (Velours, 9 mm Flor)
  • Glättkelle oder Japanspachtel
  • Rührwerk oder Bohrmaschine mit Rührstab
  • Teleskopstange
  • Malerschale mit Abstreifgitter
  • Schleifpapier K60–K80 (für Nacharbeiten)

Materialien

  • Streichputz (Rollputz), z.B. ZERO Streichputz
  • Tiefengrund (LF) oder Putzgrundierung
  • Abdeckvlies
  • Malerkrepp
  • Baufolie (für Möbel)

1) Was ist Streichputz? Körnung, Binder und Einsatzgebiete

Streichputz – auch Rollputz oder Strukturputz genannt – ist eine gebrauchsfertige Innenputzmasse, die mit einer Rolle oder einer Glättkelle auf Wände und Decken aufgetragen wird. Im Gegensatz zu klassischem Maschinenputz oder Reibeputz lässt er sich ohne spezielle Putzkenntnisse verarbeiten und erzeugt eine attraktive, feine Strukturoberfläche.

Das Bindemittel moderner Streichputze ist meist eine Kunststoffdispersion (Acrylatbasis), seltener ein mineralisches Bindemittel wie Kalk oder Zement. Das Zuschlagsmaterial bestimmt die Körnung und damit die Feinheit der Struktur:

  • Körnung 0,5 mm: Sehr feine Struktur, nahezu glatt – ideal für repräsentative Räume
  • Körnung 0,8 mm: Mittlere Struktur, der Standardwert für Wohn- und Schlafräume
  • Körnung 1,0 mm: Grobe Struktur, stärker dreidimensionale Oberfläche
  • Körnung 1,5–2,0 mm: Reibeputz-ähnlich, für Flure und robuste Bereiche

Streichputz eignet sich besonders für die Renovierung ohne Abriss: Er überdeckt leichte Unebenheiten, Risse und alte Farbanstriche und erzeugt eine frische, wertige Oberfläche ohne kostspielige Vorarbeiten. Typische Einsatzgebiete sind Wohnzimmer, Schlafzimmer, Flure, Büros und Treppenhäuser.

ZERO Streichputz – unser Tipp

Der ZERO Streichputz aus unserem Sortiment enthält keine Lösemittel und ist mit VOC-Klasse A+ zertifiziert. Er lässt sich leicht abtönen und ist mit Wandfarbe überstreichen – ideal für Renovierungen mit individueller Farbgestaltung.

2) Streichputz vs. Glättputz vs. Reibeputz – der Vergleich

Auf dem Markt gibt es drei gängige Putztypen für Innenanwendungen: Streichputz (Rollputz), Glättputz (Feinputz) und Reibeputz (Strukturputz mit Kreisbewegung). Jeder hat seine spezifischen Anwendungsgebiete, Verarbeitungseigenschaften und Anforderungen an den Verarbeiter.

KriteriumStreichputz (Rollputz)Glättputz (Feinputz)Reibeputz
AuftragswerkzeugFarbroller oder KelleJapanspachtel, GlättkelleReibebrett (Kreisbewegung)
OberflächeFeine bis mittlere StrukturGlatt bis seidenmattStrukturiert, rund
Körnung0,5–1,5 mm0,1–0,3 mm (sehr fein)1,5–3,0 mm
Handwerkliche AnforderungNiedrig – DIY-geeignetHoch – Fachmann empfohlenMittel – geübt benötigt
Schichtdicke0,5–1,5 mm0,2–0,5 mm1,5–4,0 mm
Übermalbar?Ja, nach TrockenzeitJaJa
Preis (ca.)3–6 €/L5–12 €/L4–8 €/L

Wann welchen Putz?

Für schnelle Renovierungen ohne Fachkenntnisse ist Streichputz die beste Wahl. Wer eine makellos glatte Wand für hochwertige Anstriche benötigt, greift zum Glättputz. Reibeputz erzeugt einen rustikalen, dekorativen Look – er erfordert aber Übung im Auftragen der gleichmäßigen Kreisstruktur.

3) Untergrund vorbereiten und Grundierung auftragen

Ein gut vorbereiteter Untergrund ist die Grundlage für ein perfektes Streichputzergebnis. Streichputz hat eine gewisse Eigensteifigkeit durch die Füllkörper, gleicht aber keine tiefen Löcher oder starke Unebenheiten aus. Grobe Mängel müssen daher vor dem Streichputzauftrag beseitigt werden.

Schritt 1 – Untergrundkontrolle: Prüfen Sie die Wandoberfläche auf:

  • Lose Stellen (abklopfen, ggf. mit Spachtel entfernen)
  • Risse > 0,5 mm mit Spachtelmasse oder Acrylfuge schließen
  • Fettflecken oder Nikotin mit Sperrgrund absperren
  • Sehr glatte Untergründe (Gipskarton, Fliesen) anschleifen oder mit Haftprimer behandeln

Schritt 2 – Tiefengrundierung: Auf saugenden Untergründen (Neubauputz, Gipskarton, frischer Spachtel) einen lösemittelfreien Tiefengrund auftragen. Der Tiefengrund reguliert das Saugverhalten des Untergrunds und verhindert, dass der Streichputz zu schnell antrocknet und reißt.

Achtung: Trockenzeit des Tiefengrunds

Den Tiefengrund vor dem Streichputzauftrag vollständig trocknen lassen – mindestens 4–6 Stunden, besser 12 Stunden. Zu früh aufgetragener Streichputz auf nassem Tiefengrund kann Blasen werfen oder schlecht haften.

Schritt 3 – Abkleben: Fenster- und Türrahmen, Sockelleisten und Steckdosen sorgfältig mit Malerkrepp abkleben. Böden mit Abdeckvlies schützen. Streichputz ist nach dem Trocknen schwer zu entfernen und könnte Lackierungen beschädigen.

4) Streichputz auftragen – Rolle oder Kelle (Schritt für Schritt)

Es gibt zwei bewährte Methoden, Streichputz aufzutragen: mit der Farbroller-Methode (schnell, einfach, für Anfänger ideal) und mit der Kellen-Methode (aufwändiger, ermöglicht aber kreativere Oberflächen und glattere Strukturen).

Methode 1: Mit dem Farbroller

  1. Streichputz gut mit einem Rührwerk homogenisieren – keine Klumpen oder trockene Stellen
  2. Konsistenz prüfen: Der Putz sollte cremig-streichbar sein. Bei Bedarf mit maximal 5 % Wasser verdünnen
  3. Velours-Roller (9–10 mm Flor) mit Putz beladen – Abstreifgitter verwenden
  4. Putz in kreuzweisen Bewegungen (erst vertikal, dann horizontal) gleichmäßig verteilen
  5. Frisch aufgetragene Bereiche nicht erneut überrollen – die Körner würden zerstört
  6. Zügig und nass in nass arbeiten – keine langen Pausen im selben Abschnitt

Methode 2: Mit der Kelle (für glattere Oberflächen)

  1. Streichputz mit einem Japanspachtel oder einer Glättkelle dünn auf die Wand auftragen
  2. Mit runden Bewegungen oder horizontalen Strichen gleichmäßig verteilen
  3. Wenn der Putz leicht angesteift ist (ca. 15–30 Min.), mit der glatten Kelle überfahren und andrücken
  4. Die Struktur kann durch Überfahrwinkel und Druck variiert werden

Profi-Tipp: Verbrauch kalkulieren

Der Verbrauch von Streichputz liegt je nach Körnung zwischen 800 g und 1 500 g pro m². Für eine 20 m² Wand benötigen Sie bei Körnung 0,8 mm ca. 16–20 kg Streichputz. Immer etwas mehr bestellen – Nachkäufe aus anderen Chargen können Farbabweichungen erzeugen.

5) Nachbehandlung, Schleifen und Überstreichen

Nach dem vollständigen Trocknen des Streichputzes (24–48 Stunden je nach Schichtdicke und Raumklima) kann die Oberfläche bewertet und weiterbehandelt werden. Ein trockener Streichputz ist fest, matt und zeigt die gewünschte Struktur gleichmäßig über die gesamte Fläche.

Schritt 1 – Sichtprüfung und leichtes Schleifen: Prüfen Sie die Oberfläche auf Kanten oder abstehende Körner. Diese können mit Schleifpapier K60 bis K80 leicht abgeschliffen werden. Dabei entstehenden Staub mit einem leicht feuchten Tuch entfernen.

Schritt 2 – Grundieren vor dem Überstreichen: Frischer Streichputz ist stark saugend. Vor dem Überstreichen mit Wandfarbe einen lösemittelfreien Tiefengrund auftragen. Ohne diese Grundierung saugt der Putz die Farbe sofort auf – das führt zu ungleichmäßiger Deckkraft und erhöhtem Farbverbrauch.

SchrittMaßnahmeTrockenzeit danach
Streichputz aufgetragenVollständig trocknen lassen24–48 h
Schleifen (optional)K60–K80, Staub entfernenSofort weiter
Tiefengrund auftragenDünn, gleichmäßig6–12 h
Erster FarbanstrichDispersions- oder Silikatfarbe4–6 h
Zweiter FarbanstrichDeckender Abschlussanstrich24 h vor Nutzung

Tipp: Strukturen betonen

Für einen interessanten Effekt können Sie nach dem Tiefengrund eine abgetönte Wandfarbe auftragen und diese nach dem Antrocknen mit einem leicht trockenem Roller in einer anderen Farbe überrollen – das betont die Struktur durch Hell-Dunkel-Kontraste und gibt der Wand eine dekorative Tiefe.

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Häufig gestellte Fragen (8)

Wie viel Streichputz brauche ich pro m²?
Der Verbrauch hängt von der Körnung ab: Bei Körnung 0,5 mm liegt er bei ca. 800–900 g/m², bei Körnung 0,8 mm bei 1 000–1 200 g/m² und bei Körnung 1,0 mm bei 1 200–1 500 g/m². Für eine 15 m² große Wand benötigen Sie also je nach Körnung zwischen 12 und 22 kg. Planen Sie immer 10 % Mehrverbrauch ein.
Kann Streichputz im Badezimmer verwendet werden?
Ja, sofern ein feuchtraumgeeigneter Streichputz (auf Kunstharzbasis) verwendet wird und der Untergrund entsprechend vorbereitet ist. Im direkten Nassbereich (Dusche, Badewannenumrandung) ist Streichputz jedoch nicht geeignet – dort müssen geflieste Oberflächen oder spezielle Feuchtraumputze mit Hydrophobierungszusatz verwendet werden. Für den Rest des Badezimmers ist Streichputz eine gute Wahl.
Muss ich vor dem Streichputz immer grundieren?
Auf saugenden Untergründen (neuer Putz, Gipskarton, frischer Spachtel) ist die Grundierung mit Tiefengrund zwingend. Auf alten, tragfähigen Dispersionsanstrichen kann in manchen Fällen direkt geputzt werden – allerdings immer mit einem Haftprimer vorbehandeln, wenn die alte Oberfläche sehr glatt oder glänzend ist. Ohne Grundierung drohen ungleichmäßige Trocknung, Blasenbildung und mangelnde Haftung.
Was ist der Unterschied zwischen Rollputz und Reibeputz?
Rollputz (Streichputz) wird mit einem Farbroller oder einer Kelle aufgetragen und erzeugt eine feine, leicht unregelmäßige Struktur. Reibeputz wird nach dem Auftragen mit einem Reibebrett in kreisenden oder senkrechten Bewegungen strukturiert – das ergibt eine gleichmäßigere, runde Körnung. Reibeputz erfordert mehr Übung und Können, während Rollputz auch für Heimwerker leicht zu verarbeiten ist.
Kann ich Streichputz über alte Tapeten auftragen?
Das ist grundsätzlich möglich, wenn die Tapete fest haftet und keine Blasen oder Hohlstellen aufweist. Allerdings ist das Risiko von Tapetenlösungen durch den Feuchtigkeitseintrag des Putzes erheblich. Wir empfehlen, Tapeten vor dem Streichputzauftrag vollständig zu entfernen und den Untergrund neu zu grundieren. Das Ergebnis ist dauerhafter und hochwertiger.
Wie lange muss Streichputz trocknen, bevor er überstrichen werden kann?
Mindestens 24 Stunden bei normalen Bedingungen (20 °C, 50–60 % Luftfeuchtigkeit). Bei dicker Auftragung oder hoher Luftfeuchtigkeit bis zu 48 Stunden warten. Vor dem Überstreichen mit Wandfarbe den getrockneten Streichputz mit Tiefengrund grundieren und diesen ebenfalls vollständig trocknen lassen (mind. 4–6 Stunden).
Welche Farben eignen sich für das Überstreichen von Streichputz?
Dispersionsfarben und Silikatfarben sind gleichermaßen geeignet. Silikatfarben bieten den Vorteil einer sehr hohen Diffusionsoffenheit und sind besonders schimmelresistent – ideal auf mineralischen Streichputzen. Dispersionsfarben sind günstiger und farblich vielseitiger. Latexfarben eignen sich für stark beanspruchte Bereiche (Flure, Treppenhäuser) durch ihre höhere Abriebfestigkeit.
Kann Streichputz Risse in der Wand verdecken?
Haarrisse bis 0,5 mm kann Streichputz durch seine Körnung und Schichtdicke gut überbrücken. Größere Risse (ab 1 mm) müssen vorher mit einer elastischen Spachtelmasse oder einem Acryldichtstoff verschlossen werden. Strukturrisse, die durch Bewegungen im Gebäude entstehen, sollten grundsätzlich von einem Fachmann beurteilt werden, bevor sie überputzt werden.

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Wandfarbe bestellen(einzA Wandfarbe 333 weiß)Kaufen
Grundierung / Tiefengrund bestellen(Zero ClimaCalc Iso Quarz)Kaufen
Farbroller + Abstreifgitter besorgen(Friess Techno Werkzeug)Kaufen
Flachpinsel / Eckenpinsel besorgen
Malerkrepp / Abklebeband besorgen(Malerkrepp Premium)Kaufen
Abdeckvlies / Malerplane besorgen(Abdeckvlies Malervlies)Kaufen
Gold Masker für Fenster/Türen besorgen
Spachtelmasse + Spachtel (für Löcher/Risse)(einzA Handspachtel Dolomit)Kaufen
Schleifpapier 120er + 180er(Friess Handschleifstein K24)Kaufen
Teleskopstange (für Decke)
Möbel ausräumen oder abdecken
Steckdosen + Lichtschalter abkleben
Fußleisten abkleben
Boden abdecken
Untergrund prüfen (Wischtest)
Grundierung auftragen (falls nötig)
Löcher + Risse spachteln und schleifen
Ecken + Kanten vorstreichen
Große Flächen rollen (1. Anstrich)
Trocknen lassen (mind. 12h)
2. Anstrich auftragen
Abklebeband entfernen (solange Farbe feucht)
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