Altbausanierung: Farbe & Putz für ältere Gebäude
Anleitung

Altbausanierung: Farbe & Putz für ältere Gebäude

Proma Farben Redaktion7. April 202616 Min. Lesezeit

Altbauten stellen besondere Anforderungen an Farben und Putze. Was bei der Sanierung zu beachten ist und welche Materialien sich für historische Bausubstanz eignen.

Was Sie brauchen

Werkzeuge

  • Klopfhammer
  • Meißel
  • Spachtel
  • Reibebrett

Materialien

  • Kalkputz
  • Silikatfarbe
  • Tiefengrund

Überblick: Was den Altbau vom Neubau unterscheidet

Gebäude vor 1950 wurden mit anderen Materialien und Techniken gebaut als moderne Neubauten. Ziegelmauerwerk, Naturstein, Lehm und Holzbalkendecken reagieren grundlegend anders auf Feuchtigkeit als Beton und Porenbeton. Das wichtigste Prinzip bei der Altbausanierung: Die Wand muss atmen können. Diffusionsoffene Materialien sind keine Option, sondern eine zwingende Voraussetzung für den Erhalt der Bausubstanz.

Moderne, dampfdichte Materialien wie Kunstharzputze, Acrylfarben oder Styropor-Wärmedämmverbundsysteme können im Altbau schwere Schäden verursachen. Sie sperren Feuchtigkeit im Mauerwerk ein, die dann weder nach innen noch nach außen entweichen kann. Die Folge: Durchnässung des Mauerwerks, Frostschäden, Schimmelbildung und im schlimmsten Fall Substanzverlust.

  • Diffusionsoffenheit: Historische Mauerwerke führen Feuchtigkeit über Kapillarität ab — dieser Mechanismus darf nicht blockiert werden
  • Salzbelastung: Aufsteigende Feuchtigkeit transportiert Salze ins Mauerwerk — spezielle Sanierputze nötig
  • Materialkompatibilität: Kein Zementputz auf Kalkmauerwerk — chemische Unverträglichkeit
  • Feuchtigkeitsführung: Von der Quelle zur Verdunstungsfläche — dieses System nicht unterbrechen
  • Denkmalschutz: Auflagen und Materialvorgaben vor Beginn der Arbeiten prüfen

Wichtig

Kunststoffdispersion, Acrylputze und harte Zementputze haben auf historischem Mauerwerk nichts zu suchen. Sie versiegeln die Fläche und führen zu Feuchtigkeitsstau, Abplatzungen und langfristigem Substanzverlust.

Schritt 1: Bestandsaufnahme & Untergrundprüfung

Vor jeder Sanierungsmaßnahme steht die genaue Diagnose. Ohne gründliche Bestandsaufnahme riskieren Sie teure Fehlentscheidungen. Nehmen Sie sich mindestens einen halben Tag Zeit, um den Zustand jeder Wand systematisch zu dokumentieren.

Führen Sie folgende Prüfungen an jeder Wandfläche durch:

  1. Klopftest: Mit dem Klopfhammer die gesamte Wandfläche systematisch abklopfen. Ein hohler Klang zeigt losen Putz an, der entfernt werden muss.
  2. Feuchtemessung: Feuchtigkeitsmessgerät einsetzen, um versteckte Feuchtigkeit zu erkennen. Normal: unter 4 % Mauerwerksfeuchte. Erhöht: 4–8 %. Kritisch: über 8 %.
  3. Salztest: Weiße, pulverige oder kristalline Beläge auf Putz oder Mauerwerk identifizieren. Salzausblühungen zeigen auf, dass gelöste Salze mit der Feuchtigkeit an die Oberfläche transportiert werden.
  4. Schimmelprüfung: Sichtbare Schimmelflecken, aber auch muffigen Geruch dokumentieren. Schimmel kann unter altem Putz und hinter Tapeten verborgen sein.
BefundDiagnoseMaßnahme
Hohler Klang beim KlopfenLoser PutzAbschlagen, neu verputzen
Weiße AusblühungenSalzbelastungSanierputz verwenden
Feuchte Stellen (> 8 %)Eindringende FeuchtigkeitUrsache beheben vor Sanierung
Schimmelflecken / muffigKondensations- oder BaufeuchtigkeitSchimmelbehandlung + Lüftungskonzept

Profi-Tipp

Dokumentieren Sie jeden Befund mit Fotos und notieren Sie die Position auf einer Grundrissskizze. Diese Dokumentation ist Gold wert — für die spätere Sanierungsplanung, für den Baugutachter und bei denkmalgeschützten Gebäuden für die Behörde.

Schritt 2: Die richtigen Materialien wählen

Im Altbau gilt ein ehernes Prinzip: Mineralisch auf mineralisch. Kalkputz auf Kalkmauerwerk, Kalkzementputz auf Ziegel, Silikatfarbe auf Kalkputz. Diese Materialien sind seit Jahrhunderten bewährt und arbeiten harmonisch miteinander. Kunststoffbasierte Produkte durchbrechen dieses System und verursachen langfristig mehr Schaden als Nutzen.

Die Putzwahl richtet sich nach dem Untergrund und den Feuchtigkeitsverhältnissen:

  • Kalkputz: Ideal für Ziegel, Naturstein und historische Mauerwerke. Diffusionsoffen, feuchteregulierend, schimmelhemmend. Die Nummer-eins-Wahl im trockenen Innenbereich des Altbaus.
  • Kalkzementputz: Für feuchte Bereiche, Keller und Außenwände. Robuster als reiner Kalkputz, aber immer noch dampfdurchlässig.
  • Sanierputz: Bei salzbelastetem Mauerwerk (typisch bei aufsteigender Nässe). Hat eine hohe Porosität und lässt Salze passieren, ohne abzuplatzen.
  • Gipsputz: Nur in trockenen Innenräumen ohne Salz- oder Feuchtebelastung akzeptabel. Im Altbau grundsätzlich die schlechtere Wahl gegenüber Kalkputz.

Für Farben gilt: Silikatfarbe ist die beste Wahl im Altbau — sie verbindet sich chemisch mit dem Kalkputz (Verkieselung), ist dauerhaft dampfdurchlässig und äußerst schimmelresistent. Kalkfarbe ist die historisch authentische Alternative und ideal für Denkmalschutzobjekte.

Profi-Tipp

Grundregel der Putzhärte: Niemals härteren Putz auf weicheren Untergrund auftragen. Kein Zementputz auf Kalkmauerwerk, kein harter Oberputz auf weichen Kalkputz. Das Prinzip heißt „vom Weichen zum Harten" — jede Schicht muss mindestens so weich sein wie die darunter liegende.

Schritt 3: Sanierung Schritt für Schritt durchführen

Eine systematische Vorgehensweise verhindert Folgeschäden und teure Nacharbeiten. Die goldene Regel: Zuerst alle Ursachen beheben, dann von innen nach außen sanieren. Jede Schicht muss vollständig trocknen und aushärten, bevor die nächste aufgetragen wird.

  1. Feuchtigkeitsursachen beseitigen: Undichte Stellen abdichten, Drainage prüfen, Lüftungskonzept optimieren. Ohne trockenes Mauerwerk sind alle Folgemaßnahmen sinnlos.
  2. Alten Putz entfernen: Bei Salzbelastung den gesamten kontaminierten Putz vollständig abschlagen — mindestens 80 cm über der sichtbaren Schadensgrenze. Mauerwerk freilegen und trocknen lassen.
  3. Untergrund vorbereiten: Mauerwerk reinigen, lose Fugen auskratzen und mit Kalkmörtel neu verfugen. Salzausblühungen trocken abbürsten. Untergrund grundieren (mineralischer Putzgrund).
  4. Putzsystem aufbauen: Kalkputz in 2–3 Lagen auftragen. Jede Lage mindestens 24 Stunden trocknen lassen. Bei Salzbelastung Sanierputzsystem verwenden. Gesamtschichtdicke je nach Bedarf 10–25 mm.
  5. Anstrich auftragen: Nach vollständiger Carbonatisierung (4+ Wochen bei Kalkputz) mit Silikatfarbe oder Kalkfarbe streichen. 2 Lagen für vollständige Deckung und Schutz.

Wichtig

Bei feuchtem Kellermauerwerk niemals von innen abdichten — die Feuchtigkeit staut sich im Mauerwerk und richtet noch größere Schäden an. Feuchte Keller von außen abdichten (Horizontalsperre, Drainagesystem) und innen mit Sanierputz arbeiten, der die Feuchtigkeit kontrolliert verdunsten lässt.

Schritt 4: Spezialfälle im Altbau meistern

Bestimmte Situationen im Altbau erfordern besonderes Fachwissen und spezielle Materialien. Die häufigsten Spezialfälle:

Fachwerkhäuser: Bei Fachwerk müssen Putzflächen und Holzfachwerk getrennt behandelt werden. Für Putzflächen: Kalkputz. Für das Holzwerk: Leinöl-Holzfarbe oder Naturharzlack. Beide Materialien müssen dampfdurchlässig sein, damit das Holz atmen kann. Niemals Acryl oder Kunstharzlack auf Fachwerkholz — das sperrt Feuchtigkeit ein und führt zu Fäulnis.

Innendämmung: Wenn eine Außendämmung nicht möglich ist (Denkmalschutz, Grenzbebauung), kann von innen gedämmt werden — aber nur mit diffusionsoffenen Materialien wie Holzfaserplatten, Korkplatten oder Kalziumsilikatplatten. Dampfdichte Innendämmung (Styropor, XPS) führt unweigerlich zu Tauwasserausfall und Schimmelbildung hinter der Dämmung.

Schimmel im Altbau: Schimmel im Altbau hat fast immer mit mangelnder Lüftung oder Wärmebrücken zu tun — nicht mit dem Baumaterial. Zuerst die Ursache beheben (Lüftungskonzept, Wärmebrücken minimieren). Dann Schimmel mit Fungizid behandeln. Danach Schimmelschutzfarbe oder Silikatfarbe auftragen. Kalkputz hat zusätzlich eine natürlich schimmelhemmende Wirkung.

Profi-Tipp

Größere Altbausanierungen immer mit einem Baugutachter oder Restaurator abstimmen — besonders bei Denkmalschutz, feuchtem Keller oder Salzbelastung. Ein erfahrener Gutachter spart langfristig Geld, weil er Fehlentscheidungen verhindert, die später teuer korrigiert werden müssten.

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Häufig gestellte Fragen (10)

Kann ich im Altbau Gipsplatten (Rigips) an die Wand bringen?
Grundsätzlich möglich, aber mit Vorsicht. Zwischen Gipsplatte und Mauerwerk kann sich Kondenswasser bilden. Wenn Trockenbau, dann hinterlüftet montieren oder mineralische Alternativen wie Kalziumsilikatplatten verwenden — die sind dampfdurchlässig und schimmelhemmend.
Was sind Sanierputze und wann benötige ich sie?
Sanierputze sind spezielle Putze mit hoher Porosität, die Salze aus dem Mauerwerk aufnehmen können, ohne abzuplatzen. Sie sind notwendig bei salzbelastetem Mauerwerk — typisch in Kellern und Erdgeschossen von Altbauten mit aufsteigender Nässe. Normaler Kalkputz würde auf salzbelastetem Mauerwerk schnell abplatzen.
Wie erkenne ich Salzausblühungen?
Weiße, pulverige oder kristalline Beläge auf Putz oder Mauerwerk. Sie entstehen, wenn gelöste Salze mit dem aufsteigenden Wasser an die Oberfläche transportiert werden und dort auskristallisieren. Salzausblühungen können den Putz von innen sprengen und sind ein sicheres Zeichen für Feuchtigkeitsprobleme.
Muss ich im Altbau Denkmalschutzauflagen einhalten?
Bei denkmalgeschützten Gebäuden unbedingt vorab bei der zuständigen Denkmalschutzbehörde anfragen. Oft sind bestimmte Materialien vorgeschrieben (z. B. nur Kalkputz, keine WDVS) und Veränderungen am äußeren Erscheinungsbild genehmigungspflichtig. Verstöße können mit Bußgeldern und Rückbaupflichten geahndet werden.
Welche Farben sind für Fachwerkhäuser geeignet?
Für Putzflächen: Kalkfarbe oder Silikatfarbe. Für das Holzfachwerk: Leinöl-Holzfarbe, Naturharzlack oder Standölfarbe. Alle verwendeten Materialien müssen dampfdurchlässig sein, damit das Holz atmen kann. Acryl- und Kunstharzfarben sind für Fachwerk ungeeignet.
Wie gehe ich mit Schimmel im Altbau um?
Zuerst die Ursache beheben: Lüftungsverhalten optimieren, Wärmebrücken prüfen, Feuchtigkeitsquellen beseitigen. Dann Schimmel mit geeignetem Fungizid behandeln. Danach Schimmelschutzfarbe oder Silikatfarbe auftragen. Langfristig: Kalkputz hat eine natürlich schimmelhemmende Wirkung durch den hohen pH-Wert.
Kann ich Altbauwände von innen dämmen?
Ja, aber nur mit diffusionsoffenen Innendämmsystemen: Holzfaserplatten, Korkplatten oder Kalziumsilikatplatten. Dampfdichte Dämmung von innen (Styropor, XPS, Glaswolle mit Dampfsperre) führt im Altbau zwangsläufig zu Tauwasserausfall und Schimmelbildung in der Wand.
Was ist der Unterschied zwischen Altbau- und Neubausanierung?
Im Altbau: diffusionsoffene Materialien Pflicht, historisch kompatible Bindemittel, umfangreichere Vorprüfung nötig, längere Trocknungszeiten. Im Neubau: standardisierte Produkte, schnellere Verarbeitung, weniger Risiken. Altbau erfordert mehr Fachwissen, Geduld und Zeit — aber das Ergebnis ist es wert.
Wie lange dauert eine Altbausanierung?
Sehr variabel: Einzelne Räume 1–2 Wochen, ganze Wohnungen 4–8 Wochen, vollständige Kernsanierungen 6–24 Monate. Die Hauptvariablen sind Zustand der Bausubstanz, Umfang der Maßnahmen und Trocknungszeiten. Kalkputz und mineralische Systeme brauchen deutlich mehr Zeit als Gips und Kunstharz.
Kann ich die Altbausanierung selbst durchführen?
Einfache Putz- und Streicharbeiten: Ja, mit dem richtigen Material, dieser Anleitung und etwas Geduld. Bei Feuchtigkeitsschäden, Salzbelastung, statischen Problemen oder Denkmalschutzauflagen: Fachbetrieb mit Altbauerfahrung beauftragen. Im Zweifel erst eine Diagnose durch einen Baugutachter einholen.

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