Warum grundieren unverzichtbar ist, welche Grundierung für welchen Untergrund passt und wie Sie Tiefengrund, Haftgrund und Sperrgrund richtig auftragen.
Was Sie brauchen
Werkzeuge
- •Farbroller 25 cm
- •Flachpinsel 5–7 cm
- •Teleskopstiel
- •Rührquirl
- •Abdeckfolie
Materialien
- •Tiefengrund LF
- •Haftgrund
- •Sperrgrund
- •Malerkrepp
- •Abdeckvlies
Warum muss eine Wand grundiert werden?
Das Grundieren ist ein Arbeitsschritt, den viele Heimwerker überspringen — ein Fehler, der sich später durch Flecken, schlechte Deckkraft, Blasenbildung oder abplatzende Farbe rächt. Die Grundierung erfüllt mehrere entscheidende Aufgaben gleichzeitig: Sie egalisiert die Saugfähigkeit des Untergrunds, verbessert die Haftung des Anstrichmittels und schützt vor dem Durchschlagen von Flecken oder Feuchtigkeit.
Besonders auf stark saugenden Untergründen wie frischem Putz, Gips oder Porenbeton wird ohne Grundierung die Wandfarbe regelrecht eingesogen — das Ergebnis ist ungleichmäßig und erfordert deutlich mehr Farbschichten. Auf glatten, wenig saugenden Untergründen dagegen, etwa auf Betondecken oder alten Lackschichten, sorgt eine Haftgrundierung dafür, dass die Farbe überhaupt Halt findet. Und überall dort, wo Feuchtigkeit, Flecken oder Verfärbungen vorhanden sind, braucht man einen Sperrgrund, der diese vom neuen Anstrich abschirmt.
Grundsätzlich gilt: Jeder Untergrund, der neu gestrichen werden soll, profitiert von einer Grundierung. Lediglich auf bereits gestrichenen, gut haftenden und nicht saugenden Flächen in gutem Zustand kann man manchmal darauf verzichten — doch selbst dort empfehlen Profis zumindest eine dünne Tiefengrundschicht. Die paar Euro und Minuten, die eine Grundierung kostet, ersparen im Nachhinein oft das doppelte Nachstreichen.
Wichtig zu wissen
Frisch verputzte Wände müssen mindestens 4 Wochen trocknen, bevor sie gestrichen werden. Grundieren erst dann, wenn der Putz vollständig durchgetrocknet ist — feuchter Untergrund verhindert eine ordentliche Grundierwirkung.
Ein weiterer Grund für das Grundieren ist die Kostenersparnis: Eine hochwertige Wandfarbe auf einem vorbereiteten, grundierten Untergrund deckt deutlich besser — oft reicht ein Anstrich, wo ohne Grundierung zwei oder drei Schichten nötig wären. Das spart Material und Zeit. Gerade bei großen Flächen macht dieser Unterschied schnell mehrere Eimer Wandfarbe aus.
Grundierungsarten im Vergleich: Tiefengrund, Haftgrund & Sperrgrund
Nicht jede Grundierung ist für jeden Untergrund geeignet. Je nach Beschaffenheit der Wand und dem geplanten Folgeprodukt gibt es drei wesentliche Grundierungstypen, die sich in ihrer Zusammensetzung und ihrem Wirkprinzip unterscheiden.
| Grundiertyp | Wirkprinzip | Geeignet für | Nicht geeignet für |
|---|---|---|---|
| Tiefengrund LF | Dringt in den Untergrund ein, verfestigt ihn und reduziert Saugfähigkeit | Frischer Putz, Gips, Porenbeton, Gasbeton, saugende Untergründe | Sehr glatte Flächen, Flecken oder Feuchtigkeitsquellen |
| Haftgrund | Bildet eine haftungsfördernde Schicht auf der Oberfläche | Beton, Estrich, glatte Putze, alte Lacke, Fliesen (bei Überstreichen) | Stark saugende Untergründe ohne vorherige Tiefengrundierung |
| Sperrgrund | Versiegelt den Untergrund, sperrt Flecken, Nikotin, Fett, Wasser | Wasserflecken, Nikotinflecken, Fettflecken, alte Brandstellen, Schimmelspuren nach Entfernung | Als alleinige Lösung bei aktiver Feuchtigkeit oder aktivem Schimmel |
Der Tiefengrund LF (lösemittelfrei) ist der am häufigsten eingesetzte Grundiertyp im Innenbereich. Er wird verdünnt aufgetragen und zieht tief in den Untergrund ein, wo er lose Partikel verklebt, die Oberfläche stabilisiert und die Saugfähigkeit ausgleicht. Das Ergebnis ist ein gleichmäßiger, belastbarer Untergrund für alle nachfolgenden Anstriche.
Der Haftgrund kommt dort zum Einsatz, wo es weniger um das Eindringen als um die Oberflächenhaftung geht. Er enthält spezielle Bindemittel und oft Quarzsand, die eine aufgeraute, griffige Oberfläche erzeugen. Das ist besonders wichtig bei sehr glatten oder schwierigen Untergründen, auf denen normale Wandfarbe nicht haften würde.
Der Sperrgrund ist ein Spezialprodukt für problematische Untergründe. Er bildet eine dichte Barriere gegen Flecken, Verfärbungen und leichte Feuchtigkeitseinwirkung. Ohne Sperrgrund schlagen Nikotin-, Ruß- oder Wasserflecken durch praktisch jeden normalen Anstrich hindurch — selbst nach mehreren Schichten Wandfarbe werden die Stellen sichtbar bleiben.
Profi-Tipp: Kombination aus zwei Grundierungen
Bei Wänden, die sowohl stark saugen als auch Flecken aufweisen, empfiehlt sich die Kombination: Erst Tiefengrund zur Verfestigung, nach dem Trocknen Sperrgrund über die betroffenen Stellen — dann erst kommt die Wandfarbe.
Untergrund richtig vorbereiten vor dem Grundieren
Eine Grundierung kann nur dann ihr volles Potenzial entfalten, wenn der Untergrund ordentlich vorbereitet ist. Selbst die beste Grundierung versagt auf einem unvorbereiteten Untergrund. Die Vorbereitung umfasst mehrere Schritte, die in der richtigen Reihenfolge durchgeführt werden müssen.
Schritt 1 — Untergrund prüfen: Klopfen Sie mit den Knöcheln über die gesamte Wand. Hohle, dumpfe Stellen deuten auf ablösenden Putz hin — dieser muss vollständig entfernt werden. Lockere, bröckelnde Stellen abklopfen und mit Reparaturspachtel ausbessern. Nur auf einem tragfähigen, festen Untergrund hält eine Grundierung dauerhaft.
Schritt 2 — Reinigen: Fett, Öl, Staub, Schmutz und Schimmelreste müssen vollständig entfernt werden. Fettige Stellen mit Lösemittel oder Haushaltsreiniger behandeln. Schimmel erst mit Schimmelentferner bekämpfen, vollständig entfernen und die Fläche desinfizieren, bevor grundiert wird. Staub und losen Putz mit einem steifen Pinsel oder Besen abkehren.
Schritt 3 — Risse und Löcher schließen: Risse bis 0,5 mm Breite können direkt mit Fertigspachtel gefüllt werden. Breitere Risse vorher mit einem Schraubenzieher oder Spachtel aufweiten, um losen Putz zu entfernen, dann mit Reparaturmörtel oder Spachtelgips füllen. Größere Schäden in mehreren Schichten ausspachteln, da jede Schicht trocknen muss, bevor die nächste aufgetragen wird.
| Untergrundtyp | Vorbereitung | Empfohlene Grundierung |
|---|---|---|
| Frischer Putz (mineralisch) | Mind. 4 Wochen trocknen lassen, Salzkristalle abwischen | Tiefengrund LF, 1:5 mit Wasser verdünnt |
| Gipsputz / Gipskarton | Nähte verspachteln, schleifen, abstauben | Tiefengrund LF unverdünnt oder 1:2 |
| Beton / Sichtbeton | Trennmittelreste mit Schleifmaschine entfernen | Haftgrund oder Betonkontakt |
| Alte Farbe (gut haftend) | Anschleifen, abstauben, Haftprobe machen | Tiefengrund LF dünn |
| Fleckige Wand (Nikotin, Wasser) | Fläche reinigen, Feuchtigkeitsquelle beseitigen | Sperrgrund über Flecken, danach Tiefengrund |
Schritt 4 — Abdecken: Sockelleisten, Fensterrahmen, Steckdosen und Bodenbeläge sorgfältig abkleben und abdecken, bevor Sie mit dem Grundieren beginnen. Grundierungen sind oft sehr dünnflüssig und spritzen leicht.
Haftprobe: So testen Sie alte Farbe
Kreuzmuster mit einem Cuttermesser einritzen, Malerkrepp aufkleben und ruckartig abziehen. Löst sich Farbe mit dem Klebeband, muss die alte Schicht vollständig abgetragen oder ein Haftgrund eingesetzt werden.
Grundierung auftragen — Schritt-für-Schritt-Anleitung
Das Auftragen einer Grundierung ist einfacher als das Streichen der eigentlichen Wandfarbe, aber es gibt dennoch einige Punkte zu beachten, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Die richtige Technik und Reihenfolge sind entscheidend.
Werkzeug wählen: Für große Flächen empfiehlt sich ein Farbroller mit kurzem Flor (6–9 mm). An Ecken, Kanten und schwer erreichbaren Stellen arbeitet man mit einem breiten Flachpinsel oder einem speziellen Eckenpinsel vor. Für sehr saugende Untergründe kann auch eine Sprühflasche oder ein Farblasur-Roller verwendet werden, um die Grundierung besonders gleichmäßig zu verteilen.
Verdünnung: Tiefengrund wird in der Regel 1:5 bis 1:10 mit Wasser verdünnt, je nach Hersteller und Saugfähigkeit des Untergrunds. Haftgrund wird meist unverdünnt aufgetragen. Sperrgrund je nach Produkt 1:1 bis unverdünnt. Immer das Technische Merkblatt des jeweiligen Produkts konsultieren.
Auftrag: Von oben nach unten arbeiten. Grundierung zügig und gleichmäßig verteilen — kein zu starkes Aufdrücken beim Roller, die Grundierung soll in die Oberfläche einziehen, nicht auf ihr liegen bleiben. Spritzer sofort mit feuchtem Tuch aufnehmen. Die gesamte Fläche in einem Durchgang grundieren, um einen gleichmäßigen Untergrund zu erzielen.
Tipp für stark saugende Untergründe
Wenn die erste Grundierschicht besonders schnell einzieht und die Wand noch immer ungleichmäßig aussieht, eine zweite dünne Schicht auftragen, bevor Sie mit der Wandfarbe beginnen. Dies ist kostengünstiger als mehrere Schichten Wandfarbe aufzutragen.
Randarbeiten: Zuerst alle Ecken, Kanten, Fensterlaibungen und Sockelleistenbereiche mit dem Pinsel ausstreichen (Einschneiden). Dann erst die freien Flächen mit dem Roller füllen. So vermeiden Sie Überläufer an den Kanten und erzielen ein sauberes Ergebnis.
Kontrolle: Nach dem Trocknen die grundierte Fläche mit der flachen Hand abtasten. Sie sollte sich gleichmäßig rau und fest anfühlen, nicht mehr sandig oder staubig. Noch sandige Stellen weisen auf unzureichende Grundierung oder auf Ausbrenner hin — dort nochmals grundieren.
Sicherheit beim Arbeiten: Grundierungen sind zwar lösemittelfrei, aber der Raum sollte dennoch gut gelüftet sein. Besonders Sperrgrund auf Lösemittelbasis (falls verwendet) erfordert Atemschutz und kräftiges Lüften. Hautkontakt mit Grundierungen vermeiden, bei empfindlicher Haut Schutzhandschuhe tragen.
Trocknungszeit & nächste Schritte nach dem Grundieren
Die Trocknungszeit einer Grundierung ist nicht zu unterschätzen. Das Überstreichen zu früh ist einer der häufigsten Fehler und kann dazu führen, dass die Wandfarbe nicht ordentlich haftet, Blasen wirft oder sich schält. Die Trocknungszeiten variieren je nach Grundiertyp, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Saugfähigkeit des Untergrunds.
| Grundiertyp | Mindest-Trocknungszeit | Optimale Wartezeit | Bedingungen |
|---|---|---|---|
| Tiefengrund LF | 1–2 Stunden | 3–4 Stunden | 20 °C, 65 % relative Feuchte |
| Haftgrund | 2–4 Stunden | 6–8 Stunden oder über Nacht | 20 °C, keine hohe Luftfeuchtigkeit |
| Sperrgrund | 4–6 Stunden | 12 Stunden oder über Nacht | Gut belüfteter Raum, 20 °C |
Bei niedrigeren Temperaturen (unter 15 °C) verlängern sich alle Trocknungszeiten erheblich. Unterhalb von 5 °C sollten Grundierungen auf Wasserbasis nicht eingesetzt werden, da sie einfrieren könnten. Hohe Luftfeuchtigkeit verlangsamt ebenfalls das Trocknen deutlich — ein Luftentfeuchter kann in feuchten Räumen hilfreich sein.
Wie erkenne ich, dass die Grundierung trocken ist? Die grundierte Fläche muss vollständig mattiert wirken, es darf kein glänzender Nassfilm mehr vorhanden sein. Beim Berühren mit dem Finger sollte nichts kleben. Ein einfacher Test: Kleines Stück Frischhaltefolie mit Malerkrepp auf die Wand kleben und 1 Stunde warten. Zeigt sich Kondenswasser unter der Folie, ist die Wand noch zu feucht.
Wichtig: Überarbeitung nicht zu lange hinauszögern
Tiefengrund sollte innerhalb von 24–48 Stunden übergestrichen werden. Wird zu lange gewartet, sammelt sich Staub auf der Oberfläche und die Haftung kann sich verschlechtern. Im Zweifelsfall eine zweite dünne Schicht Tiefengrund auftragen.
Nach dem Grundieren und vollständigen Trocknen ist die Wand bereit für die eigentliche Wandfarbe. Für eine optimale Deckkraft wird empfohlen, zwei Schichten Wandfarbe aufzutragen — die erste Schicht leicht verdünnt (ca. 5–10 % Wasser bei dispersionsgebundenen Farben), die zweite Schicht unverdünnt. So erzielt man ein gleichmäßiges, fleckenloses Ergebnis selbst auf anspruchsvollen Untergründen.
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Häufig gestellte Fragen (8)
Muss ich immer grundieren, bevor ich streiche?
Was ist der Unterschied zwischen Tiefengrund und Haftgrund?
Wie lange muss ich nach dem Grundieren warten?
Kann ich Tiefengrund verdünnen und wie stark?
Wann brauche ich einen Sperrgrund?
Was passiert, wenn ich auf frischem Putz ohne Grundierung streiche?
Kann ich Grundierung auf eine alte Tapete auftragen?
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