Dachboden und Dachschrägen streichen erfordert besonderes Wissen: Holz, Putz und Beton stellen unterschiedliche Anforderungen. Unser Ratgeber klärt, welche Farben, Grundierungen und Feuchtigkeitsschutz-Maßnahmen wirklich notwendig sind.
Was Sie brauchen
Werkzeuge
- •Farbroller 18 cm
- •Pinsel 5 cm
- •Teleskopstange
- •Schleifpapier K80
- •Schutzbrille
- •Respirationsmaske FFP2
Materialien
- •Holzschutzfarbe / Holzschutzgrund
- •Betonfarbe / Kellerfarbe
- •Tiefengrund
- •Wandfarbe weiß
- •Dampfbremsfolie
1) Besonderheiten des Dachbodens: Warum er andere Farben braucht
Der Dachboden ist der am stärksten beanspruchte Bereich eines Hauses, wenn es um Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen geht. Im Sommer können Temperaturen unter dem Dach auf 60–70 °C steigen, im Winter auf unter -10 °C fallen. Diese extremen Schwankungen stellen hohe Anforderungen an Farbe und Beschichtungen.
Hinzu kommt das Thema Feuchtigkeit: Warme, feuchte Luft aus dem Wohnbereich steigt nach oben und trifft auf die kalte Dachkonstruktion. Ohne geeignete Dampfbremse und dampfdiffusionsoffene Beschichtungen kann es zu Kondensation und in der Folge zu Schimmelbildung und Holzschäden kommen. Die Farbwahl für den Dachboden muss daher immer die Diffusionsfähigkeit berücksichtigen.
| Untergrund | Typisch für | Geeignete Farbe | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Holzbalken, Schalung | Altbau, Dachstuhl | Holzschutzfarbe, Holzlasur | Imprgnäierung beachten |
| Putz, Gipskarton | Ausgebau Dachboden | Dispersionsfarbe dampfdiffusionsoffen | Tiefengrund nötig |
| Beton, Estrich | Betondecke, Bodenfläche | Betonfarbe, Bodenbeschichtung | Auf Feuchtigkeit prüfen |
| Mauerwerk (Ziegel) | Kniestock, Giebel | Mineralfarbe, Silikatfarbe | Diffusionsoffen wichtig |
Wichtig: Dachboden vs. ausgebauter Dachraum
Unterscheiden Sie genau zwischen einem unausgebauten Speicher (oft nur Holzkonstruktion, eventuell Beton-Dachbodenplatte) und einem ausgebauten Dachraum mit Wänden und Schrägen. Im ausgebauten Dachraum gelten ähnliche Anforderungen wie im Wohnbereich, im unausgebauten Speicher sind die Anforderungen an Temperaturbeständigkeit und Feuchtigkeitsschutz deutlich höher.
2) Untergründe prüfen und vorbereiten
Vor dem Streichen müssen alle Untergründe sorgfältig geprüft und vorbereitet werden. Der Dachboden ist ein besonders kritischer Bereich, da hier unerkannte Schäden (feuchte Stellen, Schimmelpilzbefall, morsche Holzstellen) nach dem Streichen nicht mehr sichtbar sind und sich ungehindert weiterentwickeln können.
Prüfen Sie alle Holzflächen auf Festigkeit: Mit einem Schraubenzieher in das Holz stechen – wenn er mehr als 2–3 mm eindringt, ist das Holz bereits zu feucht oder angefault und muss ausgetauscht oder professionell behandelt werden. Weiche Stellen können auf Insektenbefall (Holzbock, Hausbock) oder Pilzbefall hindeuten.
- Feuchtigkeitsmessung: Bei Holz Feuchte unter 18% für normale Beschichtung, unter 15% für deckende Holzschutzfarbe. Bei Beton/Mauerwerk Feuchte unter 4%.
- Schimmel entfernen: Befallene Stellen mit Schimmelentferner behandeln, vollständig trocknen lassen und die Ursache (Feuchtigkeitseintrag) beseitigen, bevor gestrichen wird.
- Holz schleifen: Alte verwitterte Holzschutzfarbe oder abblätternde Beschichtungen vollständig abschleifen (K60–K80). Späne und Staub entfernen.
- Putz/Gips prüfen: Locker sitzenden Putz abklopfen und entfernen. Risse spachteln. Neuen Putz mindestens 4 Wochen trocknen lassen.
- Grundieren: Je nach Untergrund passendes Grundiermittel auswählen und vollständig trocknen lassen.
Checkliste vor dem Streichen
Keine sichtbaren feuchten Stellen, kein Schimmelbefall, kein morsches Holz, kein Insektenbefall – erst wenn all diese Punkte ausgeschlossen sind, beginnen Sie mit der Beschichtung. Eine Farbe löst keine strukturellen Probleme, sie verdeckt sie nur.
3) Die richtige Farbe und das richtige Material auswählen
Die Farbwahl hängt direkt vom Untergrund und von der Nutzung des Dachbodens ab. Für einen unausgebauten Speicher steht Schutz im Vordergrund – Holzschutzfarbe für Holz, Betonfarbe für Estrich und Betonflächen. Für einen ausgebauten Dachraum, der als Wohnraum genutzt wird, kommen normale Wandfarben zum Einsatz, allerdings müssen diese dampfdiffusionsoffen sein.
Dampfdiffusionsoffenheit bedeutet, dass die Beschichtung Wasserdampf hindurchlässt. Das ist im Dachbereich besonders wichtig, weil der Aufbau aus Wärmedämmung, Dampfbremse und Bekleidung von innen nach außen dampfdurchlässiger werden muss. Eine dampfbremsende Farbe auf der Innenseite eines Daches stört diesen Aufbau und kann zu Feuchtigkeitsansammlungen im Dachaufbau führen.
| Produkt-Typ | Einsatz | sd-Wert | Preisbereich |
|---|---|---|---|
| Holzschutzlasur (lösemittelfrei) | Holzbalken, Schalung | < 0,5 m (sehr diffusionsoffen) | 15–45 €/L |
| Dispersionsfarbe matt | Verputzte Dachschräge | 0,1–0,5 m (diffusionsoffen) | 3–8 €/L |
| Silikatfarbe | Mauerwerk, Mineralputz | < 0,1 m (sehr diffusionsoffen) | 8–15 €/L |
| Betonfarbe | Betonestrich, Bodenfläche | meist dampfbremsend | 5–12 €/L |
Was bedeutet sd-Wert?
Der sd-Wert (Wasserdampfdiffusionswiderstand) gibt an, wie stark eine Schicht den Wasserdampfdurchtritt hemmt. Werte unter 0,5 m gelten als diffusionsoffen, Werte über 1 m als diffusionshemmend. Im Dachbereich sollten Innenanstriche immer einen möglichst niedrigen sd-Wert haben. Der Wert findet sich im technischen Datenblatt des Produkts.
4) Verarbeitungsanleitung: So streichen Sie Dachboden und Dachschräge richtig
Die Verarbeitung im Dachbereich unterscheidet sich in einigen Punkten von normalem Innenstreichen. Die häufig unbequemen Arbeitspositionen (Arbeiten über Kopf an Schrägen), die extreme Temperatur in den Sommermonaten und die oft staubige Umgebung verlangen besonderes Vorgehen.
Streichen Sie im Dachbereich nie bei extremer Hitze (Dachtemperaturen über 40 °C), da Farben dann zu schnell trocknen und ein gleichmäßiges Bild kaum möglich ist. Ideal sind frühe Morgenstunden oder klühlere Jahreszeiten. Stellen Sie sicher, dass genügend Frischluft verfügbar ist – besonders bei lösemittelhaltigen Holzschutzprodukten.
- Schutzausrüstung: Schutzbrille und Atemschutz (FFP2) tragen, da Farbpartikel von Decken- und Schrägenanstrichen leicht in Augen und Atemwege gelangen.
- Reihenfolge einhalten: Immer von oben nach unten streichen: zuerst First und Kehlbalken, dann Sparren, dann Dachschrägen und Kniestockwände, zuletzt den Boden.
- Holzflächen: Mit Holzschutzground (Imprgnäiergrund) vorbehandeln, trocknen lassen, dann deckende Holzschutzfarbe in 2 Lagen auftragen. Bei freiliegenden Balken genügt oft eine gut deckende Lasur.
- Verputzte Schrägen: Tiefengrund auftragen, nach 30 min Wandfarbe aufrolern. Für Ecken und Anschlüsse Pinsel verwenden, dann die Fläche mit Kurzflor-Roller (12 mm).
- Betonflächen: Stark saugende Betonflächen grundieren, dann Betonfarbe oder Bodenbeschichtung in 2 Lagen auftragen.
Sicherheit beim Arbeiten auf dem Dachboden
Auf unbequemen Dachböden oft nicht ausgebautes Gefälk (Deckenbalken ohne Estrich). Treten Sie nur auf die tragenden Balken, nie auf die Zwischenbereiche (Zwischendeckenfüllung). Ein Sturz durch die Decke ist eine ernste Gefahr. Bretterlage oder Gerüstbohlen als temporären Belag verwenden.
5) Dämmung und Feuchteschutz kombinieren: Der richtige Aufbau
Farbe allein ist kein Feuchteschutz für den Dachboden. Ein dauerhaft trockener Dachraum setzt voraus, dass der gesamte Aufbau stimmt: Dampfbremse auf der Warmseite (Innen), Wärmedämmung dazwischen und eine windbremsende Schicht auf der Außenseite. Die Innenbeschichtung (Farbe) muss in dieses System eingebunden sein und darf es nicht stören.
Für einen nicht ausgebauten Dachboden, der lediglich als Lagerfläche genutzt wird, genügt in der Regel eine einfache Holzschutzbehandlung der Sparren und Dachschalungsbretter. Eine Dampfbremsfolie ist bei nicht ausgebautem Dach meist nicht nötig, da die Kaltluft des Dachraums durch die Dachlüftung (Firstlüftung, Traufstreifen) kontrolliert abgeführt wird.
| Nutzung Dachboden | Dampfbremse | Dämmung | Innenanstrich |
|---|---|---|---|
| Lagerfläche (nicht ausgebaut) | Nicht nötig | Auf Dachbodenplatte | Holzschutzlasur |
| Ausgebaut, beheizt (Wohnraum) | Pflicht! | Zwischen Sparren | Diffusionsoffene Wandfarbe |
| Ausgebaut, unbeheizt (Hobbyraum) | Empfohlen | Optional | Dispersionsfarbe |
Bei bereits ausgebautem Dachraum mit bestehender Verkleidung: Wenn Sie die Wandflächen der Dachschrägen streichen, achten Sie darauf, ob eine Dampfbremsfolie hinter der Verkleidung vorhanden ist. Falls nicht, sollten Sie eine diffusionsoffene Farbe verwenden – eine diffusionshemmende Farbe würde Feuchtigkeit im Bekleidungsaufbau einschließen.
Beratung bei Proma Farben
Nicht sicher, welches System bei Ihrem Dachboden das Richtige ist? Unser Fachberater-Team steht Ihnen telefonisch und per E-Mail zur Verfügung und hilft Ihnen, die richtige Produktkombination für Ihren spezifischen Aufbau zu finden. Wir kennen alle gängigen Dachaufbauten und haben die passenden Produkte für jeden Untergrund.
Abschließend: Eine sorgfältige Vorbereitung, die Wahl der richtigen Produkte und eine fachgerechte Verarbeitung sorgen dafür, dass Ihr Dachboden jahrelang geschützt und ansprechend aussieht. Investieren Sie lieber etwas mehr Zeit in die Vorbereitung – das spart teure Sanierungen später.
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Abdecken & Abkleben
Häufig gestellte Fragen (8)
Welche Farbe eignet sich für den Dachboden?
Muss ein Dachboden gestrichen werden?
Wie verhindere ich Schimmel auf dem Dachboden?
Was ist der sd-Wert und warum ist er beim Dachboden wichtig?
Kann ich normale Wandfarbe für den Dachboden nehmen?
Wie streiche ich Dachschrägen ohne Tropfen?
Muss ich den Dachboden vor dem Streichen grundieren?
Welchen Unterschied macht die Jahreszeit beim Streichen des Dachbodens?
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