Silikatfarbe Innen: Kaufratgeber 2026 — Mineralisch, diffusionsoffen & gesund
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Silikatfarbe Innen: Kaufratgeber 2026 — Mineralisch, diffusionsoffen & gesund

Proma Farben Redaktion28. April 202612 Min. Lesezeit

Silikatfarbe ist die Profi-Wahl für Allergiker, Altbauten und feuchte Räume. Wir erklären die Chemie dahinter, den Vergleich mit Dispersionsfarbe und worauf Sie bei der Verarbeitung achten müssen.

Was Sie brauchen

Werkzeuge

  • Farbroller aus Naturfaser oder Polyamid (kein Gummi oder Kunstfaser)
  • Malerpinsel aus Naturborste
  • Schutzbrille (Silikatfarbe ist alkalisch)
  • Schutzhandschuhe Nitril oder Neopren
  • Abstreifgitter
  • Teleskopstange

Materialien

  • Silikatfarbe (Echt-Silikat oder Dispersionssilikat)
  • Silikat-Fixativ (Grundierung, zwingend für saugende Untergründe)
  • Malerkrepp (lösemittelfrei, da Silikat sehr aggressiv)
  • Abdeckvlies
  • Schleifpapier K80 (für Vorarbeiten)

1) Was ist Silikatfarbe? — Chemie einfach erklärt

Silikatfarbe — auch Wasserglasfarbe genannt — ist eine mineralische Farbe auf Basis von Kaliwasserglas (Kaliumsilikat). Das ist der grundlegende Unterschied zu allen anderen Wandfarben: Silikatfarbe härtet nicht durch Filmbildung aus wie eine Dispersionsfarbe, sondern durch eine chemische Reaktion mit dem mineralischen Untergrund — die sogenannte Verkieselung.

Bei der Verkieselung reagiert das Kaliumsilikat aus der Farbe mit den Calcium- und Siliziumverbindungen des Putzes oder Betons. Es entsteht eine unlösliche, glasartige Verbindung — Calciumsilikat — die buchstäblich mit dem Untergrund verschmilzt. Die Farbe bildet keine aufgelagerte Schicht, sondern wird zum Teil des Mauerwerks.

Unterschied: Echt-Silikat vs. Dispersionssilikat

Echte Silikatfarbe (nach DIN 18363) enthält als einziges Bindemittel Kaliwasserglas und keinen organischen Anteil. Dispersionssilikatfarbe enthält zusätzlich bis zu 5 % organische Bindemittel, was die Verarbeitung erleichtert und die Farbtonvielfalt vergrößert, aber die Diffusionsoffenheit leicht reduziert. Für feuchte Problembereiche und Allergiker ist Echt-Silikat die bessere Wahl.

Die entstandene Kieselsäureverbindung hat einen hohen pH-Wert (ca. 11–13) und wirkt dadurch von Natur aus antibakteriell und pilzfeindlich — ohne chemische Konservierungsstoffe oder Biozide. Das macht Silikatfarbe zur bevorzugten Wahl im Gesundheitsbereich, in Schulen und für Allergiker.

2) Silikatfarbe vs. Dispersionsfarbe — Großer Vergleich

Die Entscheidung zwischen Silikatfarbe und Dispersionsfarbe hängt von Untergrund, Raumklima und Budget ab. Die folgende Tabelle zeigt alle relevanten Unterschiede auf einen Blick.

EigenschaftSilikatfarbe (Echt)Dispersionsfarbe
BindemittelKaliwasserglas (mineralisch)Kunstharz (organisch)
HaftmechanismusChemische Verkieselung (unlösliche Verbindung)Filmbildung (Schicht auf dem Untergrund)
Diffusionsoffenheit (sd-Wert)Sehr hoch (≤ 0,01 m)Mittel bis gering (0,1–1 m)
AntibakteriellJa (durch hohen pH-Wert)Nur mit Biozid-Zusatz
Lebensdauer20–40 Jahre5–15 Jahre
Geeignete UntergründeMineralisch: Putz, Beton, Ziegel, NatursteinFast alle: Putz, Gipskarton, alte Farbe
FarbtonvielfaltBegrenzt (pastöse Erdtöne, lichtecht)Unbegrenzt (Tönservice)
VerarbeitungAnspruchsvoll (Schutzkleidung, alkalisch)Einfach
Preis (10 L)ab ca. 35–60 €ab ca. 20–45 €
Emission / VOCKeine organischen EmissionenGering bis mittel (je nach Produkt)

Achtung: Silikatfarbe ist nicht für alle Untergründe geeignet

Auf organischen oder nicht-mineralischen Untergründen kann keine Verkieselung stattfinden. Auf Gipskarton, alten Dispersionsfarbanstrichen oder Holz haftet Silikatfarbe nicht dauerhaft. Auch auf Tapeten ist Silikatfarbe nicht geeignet. Im Zweifelsfall vorher einen Test auf kleiner Fläche durchführen.

3) Geeignete Untergründe & Voraussetzungen — Silikat-Fixativ

Der Untergrund ist bei Silikatfarbe entscheidend. Für eine dauerhafte Verkieselung muss der Untergrund mineralisch und saugfähig sein. Folgende Untergründe sind geeignet:

  • Kalkzementputz und Kalkputz — idealer Untergrund, beste Verkieselung
  • Zementputz und Betonoberflächen — gut geeignet, ggf. Fixativ
  • Ziegel und Naturstein — gut geeignet
  • Mineralischer Altanstrich (Silikatfarbe) — direkt überstreichen
  • Gipsputz — mit Silikat-Fixativ grundieren

Nicht geeignet sind organische Untergründe: Gipskartonplatten ohne Silikat-Fixativ, alte Dispersionsfarbanstriche, Tapeten, Holz, Kunststoff oder Metall.

UntergrundVorbereitungSilikat-Fixativ
Frischer Kalkzementputz4 Wochen aushärten lassenEmpfohlen (1:5 verdünnt)
Alter Kalkputz (fest)Lockere Stellen entfernen, entstaubenEmpfohlen
GipsputzSauber, trockenZwingend (Silikat-Fixativ)
Ziegel / NatursteinStaub entfernenEmpfohlen
Beton (glatt)Anschleifen, entstaubenZwingend (Haftbrücke)

Das Silikat-Fixativ (Kaliwasserglas stark verdünnt, ca. 1:5 bis 1:10 mit Wasser) dient als Grundierung und öffnet die Poren des Untergrunds für die spätere Verkieselung. Es muss vollständig eingetrocknet sein (mind. 24 Stunden) bevor die Silikatfarbe aufgetragen wird.

4) Verarbeitungsanleitung — Schutzkleidung, Pinsel & Schichten

Die Verarbeitung von Echt-Silikatfarbe erfordert mehr Vorbereitung als normale Dispersionsfarbe. Das alkalische Milieu (pH 12–13) ist ätzend für Augen und Haut — entsprechende Schutzmaßnahmen sind Pflicht, kein optionales Extra.

Sicherheitshinweis: Schutzausrüstung zwingend

Immer Schutzbrille (Spritzschutz), Nitrilhandschuhe und bei Sprüharbeiten eine FFP2-Maske tragen. Bei Augenkontakt sofort mit viel Wasser spülen und einen Arzt aufsuchen. Kinder und Haustiere während der Verarbeitung aus dem Raum fernhalten.

  1. Schutzausrüstung anlegen: Schutzbrille, Nitrilhandschuhe, ggf. Schutzanzug. Boden sorgfältig abdecken — Silikatfarbe hinterlässt auf Fliesen und Naturstein permanente Flecken.
  2. Werkzeugwahl: Nur Roller und Pinsel aus Naturfasern oder Polyamid verwenden. Gummi und viele Kunstfasermaterialien werden von der Alkalität angegriffen und zerfallen.
  3. Farbe vorbereiten: Silikatfarbe gut rühren. Nicht mit normalem Wasser verdünnen — nur mit mitgeliefertem oder empfohlenem Silikat-Verdünner (Fixativ). Übliche Verdünnung: 5–10 % für den ersten Anstrich.
  4. Silikat-Fixativ auftragen: Bei saugenden Untergründen zuerst Fixativ (1:5 bis 1:10 verdünnt) auftragen und 12–24 Stunden trocknen lassen.
  5. Erster Anstrich: Dünn und gleichmäßig auftragen. Nicht zu dick — sonst können Risse entstehen. Ecken und Kanten zuerst mit Pinsel vorarbeiten.
  6. Trocknungszeit: 4–8 Stunden, bei kühlem oder feuchtem Wetter länger. Die Farbe darf beim zweiten Anstrich noch leicht feucht (nicht nass) sein — das fördert die Verkieselung.
  7. Zweiter Anstrich: Quer zum ersten Anstrich, etwas verdünnter (10–15 %). Gesamtstärke der zwei Schichten sollte 300–400 ml/m² betragen.
  8. Werkzeuge reinigen: Sofort nach der Arbeit mit viel Wasser reinigen. Getrocknete Silikatfarbe ist unlöslich. Werkzeug nicht in der Spüle reinigen — Silikat kann Abflüsse verätzen.

5) Gesundheit & Allergiker — Warum Silikatfarbe?

Silikatfarbe genießt einen exzellenten Ruf im Gesundheitsbereich. Krankenhäuser, Schulen, Kindereinrichtungen und anspruchsvolle Privathaushalte setzen seit Jahrzehnten auf Silikat — und das aus guten Gründen.

  • Keine organischen Emissionen (VOC = 0): Echt-Silikatfarbe enthält keine organischen Lösemittel und keine synthetischen Polymere. Im ausgehärteten Zustand werden keinerlei flüchtige organische Verbindungen abgegeben — ideal für Allergiker und Menschen mit Chemikalienunverträglichkeit.
  • Antibakteriell ohne Biozide: Der hohe pH-Wert der Silikatfarbe hemmt das Wachstum von Bakterien, Schimmelpilzen und Algen, ohne dass chemische Konservierungsstoffe oder Biozide zugesetzt werden müssen. Das macht sie besonders für Innenräume geeignet, in denen regelmäßige Biozid-Exposition vermieden werden soll.
  • Feuchteregulierung: Die extreme Diffusionsoffenheit (sd-Wert ≤ 0,01 m) bedeutet, dass Wasserdampf nahezu ungehindert durch die Schicht diffundieren kann. Das Raumklima bleibt ausgewogen und die Wand kann natürlich atmen — ein entscheidender Vorteil gegenüber dampfsperrenden Latexfarben.
  • Keine allergischen Reaktionen: Da keine organischen Bindemittel oder Additive enthalten sind, gibt es keine Ausdünstungen, die Schleimhäute reizen oder allergische Reaktionen auslösen könnten (nach der Aushärtung). Besonders empfehlenswert für Menschen mit Asthma oder Hausstauballergie.
EigenschaftSilikatfarbe (Echt)LatexfarbeStandard-Dispersion
VOC-Emissionen (ausgehärtet)KeineSehr geringGering bis mittel
SchimmelschutzJa, ohne BiozideNur mit BiozidenNur mit Bioziden
DiffusionsoffenheitSehr hochGeringMittel
Lebensdauer20–40 Jahre5–15 Jahre5–10 Jahre
Allergiker-EignungSehr gutGut (je nach Produkt)Akzeptabel

Silikatfarbe für Feuchträume im Altbau

In Altbauten mit saisonal erhöhter Wandfeuchtigkeit (z.B. erdberührende Kellerwände oder schlecht isolierte Außenwände) ist Silikatfarbe die einzige sinnvolle Innenanstrichlösung. Latexfarbe oder Dispersion würden die Feuchtigkeit einschließen und Schimmelbildung begünstigen. Silikatfarbe lässt die Feuchtigkeit entweichen und trocknet die Wand langfristig aus.

Bei Proma Farben führen wir hochwertige Silikatfarben und das passende Silikat-Fixativ als Grundierung. Unsere Fachberatung begleitet Sie bei der Wahl der richtigen Produktvariante für Ihren Untergrund — vom einfachen Kalkputz bis zur Problemwand im Keller.

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Häufig gestellte Fragen (8)

Was macht Silikatfarbe anders als normale Wandfarbe?
Silikatfarbe härtet nicht durch Filmbildung aus wie Dispersionsfarbe, sondern durch eine chemische Reaktion mit dem mineralischen Untergrund — die sogenannte Verkieselung. Kaliwasserglas aus der Farbe reagiert mit Calcium- und Siliziumverbindungen im Putz zu unlöslichem Calciumsilikat. Die Farbe wird buchstäblich Teil des Mauerwerks, bildet keine aufgelagerte Schicht und kann nicht abblättern. Das macht sie dauerhafter, diffusionsoffener und antibakterieller als jede organische Farbe.
Auf welchen Untergründen kann Silikatfarbe verwendet werden?
Silikatfarbe eignet sich ausschließlich auf mineralischen Untergründen: Kalkzementputz, Kalkputz, Zementputz, Beton, Ziegel und Naturstein. Auf Gipsputz ist ein Silikat-Fixativ als Grundierung zwingend erforderlich. Auf Gipskartonplatten, alten Dispersionsfarbanstrichen, Tapeten, Holz oder Kunststoff haftet Silikatfarbe nicht dauerhaft und kann abplatzen. Im Zweifelsfall immer einen kleinen Testbereich vorab behandeln und 48 Stunden beobachten.
Muss ich vor Silikatfarbe immer einen Silikat-Fixativ auftragen?
Nicht immer, aber sehr empfohlen. Auf stark saugenden oder porösen Untergründen (frischer Putz, Gipsputz, trockenes Mauerwerk) ist das Silikat-Fixativ zwingend, da es die Poren gleichmäßig öffnet und die Saugfähigkeit reguliert. Ohne Fixativ kann die Silikatfarbe zu schnell einziehen und keine gleichmäßige Verkieselung bilden. Auf altem, festem Kalkzementputz kann das Fixativ als einfacher erster Verdünnanstrich der Silikatfarbe selbst ersetzt werden.
Ist Silikatfarbe für Allergiker wirklich besser?
Ja, signifikant. Echt-Silikatfarbe enthält keine organischen Bindemittel, keine Konservierungsstoffe und keine Weichmacher — daher auch keine Ausgasung von flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) im ausgehärteten Zustand. Menschen mit Chemikalienunverträglichkeit, Asthma oder Hausstauballergie vertragen Silikatfarbe erfahrungsgemäß deutlich besser als Latexfarben oder Kunststoffdispersionen. Hinzu kommt der natürliche Schimmelschutz durch den hohen pH-Wert, ohne zusätzliche Biozide.
Warum ist Silikatfarbe im Altbau besonders empfehlenswert?
Altbauten mit massivem Mauerwerk haben einen natürlichen Feuchtigkeitstransport durch die Wände. Dampfsperrende Farben wie Latexfarbe oder Kunstharz-Dispersion unterbrechen diesen Transport und können Feuchtigkeit einschließen, was zu Schimmelbildung und Bauschäden führt. Silikatfarbe ist extrem diffusionsoffen (sd-Wert ≤ 0,01 m), lässt Wasserdampf ungehindert durch und trocknet feuchtegefährdete Wände langfristig aus. Ideal für Gründerzeit-Wohnungen, historische Gebäude und Kellerräume.
Wie lange hält Silikatfarbe im Innenbereich?
Gut aufgetragene Echt-Silikatfarbe auf einem geeigneten Untergrund hält im Innenbereich 20–40 Jahre, ohne abzublättern oder zu reißen. Da keine Filmschicht entsteht, gibt es nichts, das sich ablösen könnte. Die Farbe kann allerdings verblassen oder durch mineralische Ablagerungen (Ausblühungen) optisch ungleichmäßig werden. Eine Nachbehandlung oder Erneuerung ist jedoch deutlich seltener notwendig als bei Dispersionsfarben, die alle 5–10 Jahre erneuert werden müssen.
Kann ich Silikatfarbe selbst verarbeiten oder brauche ich einen Profi?
Silikatfarbe kann von handwerklich versierten Heimwerkern selbst verarbeitet werden, erfordert aber mehr Vorbereitung als Dispersionsfarbe. Wichtig: Der Untergrund muss korrekt diagnostiziert und vorbereitet werden. Schutzbrille und Handschuhe sind wegen des hohen pH-Werts (ca. 12–13) Pflicht. Das Verdünnen und die richtige Schichtdicke sind entscheidend für das Endergebnis. Für Problembereiche (feuchte Wände, Altbausanierung) empfehlen wir, mindestens die erste Beratung bei einem Fachbetrieb einzuholen.
Kann man Silikatfarbe farbig tönen?
Echt-Silikatfarben können nur mit anorganischen, alkalifesten Pigmenten getönt werden. Die Farbpalette ist daher begrenzt — klassische Erdtöne, Ocker, helle Pastelltöne und natürlich Weiß. Synthetische organische Farbpigmente werden von der Alkalität der Silikatfarbe zerstört. Dispersionssilikatfarben haben eine breitere Farbpalette, da sie einen kleinen organischen Anteil enthalten, der auch organische Pigmente toleriert. Für kräftige oder dunkle Farbtöne ist Silikatfarbe generell nicht die beste Wahl.

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