Silikatfarbe ist die Profi-Wahl für Allergiker, Altbauten und feuchte Räume. Wir erklären die Chemie dahinter, den Vergleich mit Dispersionsfarbe und worauf Sie bei der Verarbeitung achten müssen.
Was Sie brauchen
Werkzeuge
- •Farbroller aus Naturfaser oder Polyamid (kein Gummi oder Kunstfaser)
- •Malerpinsel aus Naturborste
- •Schutzbrille (Silikatfarbe ist alkalisch)
- •Schutzhandschuhe Nitril oder Neopren
- •Abstreifgitter
- •Teleskopstange
Materialien
- •Silikatfarbe (Echt-Silikat oder Dispersionssilikat)
- •Silikat-Fixativ (Grundierung, zwingend für saugende Untergründe)
- •Malerkrepp (lösemittelfrei, da Silikat sehr aggressiv)
- •Abdeckvlies
- •Schleifpapier K80 (für Vorarbeiten)
1) Was ist Silikatfarbe? — Chemie einfach erklärt
Silikatfarbe — auch Wasserglasfarbe genannt — ist eine mineralische Farbe auf Basis von Kaliwasserglas (Kaliumsilikat). Das ist der grundlegende Unterschied zu allen anderen Wandfarben: Silikatfarbe härtet nicht durch Filmbildung aus wie eine Dispersionsfarbe, sondern durch eine chemische Reaktion mit dem mineralischen Untergrund — die sogenannte Verkieselung.
Bei der Verkieselung reagiert das Kaliumsilikat aus der Farbe mit den Calcium- und Siliziumverbindungen des Putzes oder Betons. Es entsteht eine unlösliche, glasartige Verbindung — Calciumsilikat — die buchstäblich mit dem Untergrund verschmilzt. Die Farbe bildet keine aufgelagerte Schicht, sondern wird zum Teil des Mauerwerks.
Unterschied: Echt-Silikat vs. Dispersionssilikat
Echte Silikatfarbe (nach DIN 18363) enthält als einziges Bindemittel Kaliwasserglas und keinen organischen Anteil. Dispersionssilikatfarbe enthält zusätzlich bis zu 5 % organische Bindemittel, was die Verarbeitung erleichtert und die Farbtonvielfalt vergrößert, aber die Diffusionsoffenheit leicht reduziert. Für feuchte Problembereiche und Allergiker ist Echt-Silikat die bessere Wahl.
Die entstandene Kieselsäureverbindung hat einen hohen pH-Wert (ca. 11–13) und wirkt dadurch von Natur aus antibakteriell und pilzfeindlich — ohne chemische Konservierungsstoffe oder Biozide. Das macht Silikatfarbe zur bevorzugten Wahl im Gesundheitsbereich, in Schulen und für Allergiker.
2) Silikatfarbe vs. Dispersionsfarbe — Großer Vergleich
Die Entscheidung zwischen Silikatfarbe und Dispersionsfarbe hängt von Untergrund, Raumklima und Budget ab. Die folgende Tabelle zeigt alle relevanten Unterschiede auf einen Blick.
| Eigenschaft | Silikatfarbe (Echt) | Dispersionsfarbe |
|---|---|---|
| Bindemittel | Kaliwasserglas (mineralisch) | Kunstharz (organisch) |
| Haftmechanismus | Chemische Verkieselung (unlösliche Verbindung) | Filmbildung (Schicht auf dem Untergrund) |
| Diffusionsoffenheit (sd-Wert) | Sehr hoch (≤ 0,01 m) | Mittel bis gering (0,1–1 m) |
| Antibakteriell | Ja (durch hohen pH-Wert) | Nur mit Biozid-Zusatz |
| Lebensdauer | 20–40 Jahre | 5–15 Jahre |
| Geeignete Untergründe | Mineralisch: Putz, Beton, Ziegel, Naturstein | Fast alle: Putz, Gipskarton, alte Farbe |
| Farbtonvielfalt | Begrenzt (pastöse Erdtöne, lichtecht) | Unbegrenzt (Tönservice) |
| Verarbeitung | Anspruchsvoll (Schutzkleidung, alkalisch) | Einfach |
| Preis (10 L) | ab ca. 35–60 € | ab ca. 20–45 € |
| Emission / VOC | Keine organischen Emissionen | Gering bis mittel (je nach Produkt) |
Achtung: Silikatfarbe ist nicht für alle Untergründe geeignet
Auf organischen oder nicht-mineralischen Untergründen kann keine Verkieselung stattfinden. Auf Gipskarton, alten Dispersionsfarbanstrichen oder Holz haftet Silikatfarbe nicht dauerhaft. Auch auf Tapeten ist Silikatfarbe nicht geeignet. Im Zweifelsfall vorher einen Test auf kleiner Fläche durchführen.
3) Geeignete Untergründe & Voraussetzungen — Silikat-Fixativ
Der Untergrund ist bei Silikatfarbe entscheidend. Für eine dauerhafte Verkieselung muss der Untergrund mineralisch und saugfähig sein. Folgende Untergründe sind geeignet:
- Kalkzementputz und Kalkputz — idealer Untergrund, beste Verkieselung
- Zementputz und Betonoberflächen — gut geeignet, ggf. Fixativ
- Ziegel und Naturstein — gut geeignet
- Mineralischer Altanstrich (Silikatfarbe) — direkt überstreichen
- Gipsputz — mit Silikat-Fixativ grundieren
Nicht geeignet sind organische Untergründe: Gipskartonplatten ohne Silikat-Fixativ, alte Dispersionsfarbanstriche, Tapeten, Holz, Kunststoff oder Metall.
| Untergrund | Vorbereitung | Silikat-Fixativ |
|---|---|---|
| Frischer Kalkzementputz | 4 Wochen aushärten lassen | Empfohlen (1:5 verdünnt) |
| Alter Kalkputz (fest) | Lockere Stellen entfernen, entstauben | Empfohlen |
| Gipsputz | Sauber, trocken | Zwingend (Silikat-Fixativ) |
| Ziegel / Naturstein | Staub entfernen | Empfohlen |
| Beton (glatt) | Anschleifen, entstauben | Zwingend (Haftbrücke) |
Das Silikat-Fixativ (Kaliwasserglas stark verdünnt, ca. 1:5 bis 1:10 mit Wasser) dient als Grundierung und öffnet die Poren des Untergrunds für die spätere Verkieselung. Es muss vollständig eingetrocknet sein (mind. 24 Stunden) bevor die Silikatfarbe aufgetragen wird.
4) Verarbeitungsanleitung — Schutzkleidung, Pinsel & Schichten
Die Verarbeitung von Echt-Silikatfarbe erfordert mehr Vorbereitung als normale Dispersionsfarbe. Das alkalische Milieu (pH 12–13) ist ätzend für Augen und Haut — entsprechende Schutzmaßnahmen sind Pflicht, kein optionales Extra.
Sicherheitshinweis: Schutzausrüstung zwingend
Immer Schutzbrille (Spritzschutz), Nitrilhandschuhe und bei Sprüharbeiten eine FFP2-Maske tragen. Bei Augenkontakt sofort mit viel Wasser spülen und einen Arzt aufsuchen. Kinder und Haustiere während der Verarbeitung aus dem Raum fernhalten.
- Schutzausrüstung anlegen: Schutzbrille, Nitrilhandschuhe, ggf. Schutzanzug. Boden sorgfältig abdecken — Silikatfarbe hinterlässt auf Fliesen und Naturstein permanente Flecken.
- Werkzeugwahl: Nur Roller und Pinsel aus Naturfasern oder Polyamid verwenden. Gummi und viele Kunstfasermaterialien werden von der Alkalität angegriffen und zerfallen.
- Farbe vorbereiten: Silikatfarbe gut rühren. Nicht mit normalem Wasser verdünnen — nur mit mitgeliefertem oder empfohlenem Silikat-Verdünner (Fixativ). Übliche Verdünnung: 5–10 % für den ersten Anstrich.
- Silikat-Fixativ auftragen: Bei saugenden Untergründen zuerst Fixativ (1:5 bis 1:10 verdünnt) auftragen und 12–24 Stunden trocknen lassen.
- Erster Anstrich: Dünn und gleichmäßig auftragen. Nicht zu dick — sonst können Risse entstehen. Ecken und Kanten zuerst mit Pinsel vorarbeiten.
- Trocknungszeit: 4–8 Stunden, bei kühlem oder feuchtem Wetter länger. Die Farbe darf beim zweiten Anstrich noch leicht feucht (nicht nass) sein — das fördert die Verkieselung.
- Zweiter Anstrich: Quer zum ersten Anstrich, etwas verdünnter (10–15 %). Gesamtstärke der zwei Schichten sollte 300–400 ml/m² betragen.
- Werkzeuge reinigen: Sofort nach der Arbeit mit viel Wasser reinigen. Getrocknete Silikatfarbe ist unlöslich. Werkzeug nicht in der Spüle reinigen — Silikat kann Abflüsse verätzen.
5) Gesundheit & Allergiker — Warum Silikatfarbe?
Silikatfarbe genießt einen exzellenten Ruf im Gesundheitsbereich. Krankenhäuser, Schulen, Kindereinrichtungen und anspruchsvolle Privathaushalte setzen seit Jahrzehnten auf Silikat — und das aus guten Gründen.
- Keine organischen Emissionen (VOC = 0): Echt-Silikatfarbe enthält keine organischen Lösemittel und keine synthetischen Polymere. Im ausgehärteten Zustand werden keinerlei flüchtige organische Verbindungen abgegeben — ideal für Allergiker und Menschen mit Chemikalienunverträglichkeit.
- Antibakteriell ohne Biozide: Der hohe pH-Wert der Silikatfarbe hemmt das Wachstum von Bakterien, Schimmelpilzen und Algen, ohne dass chemische Konservierungsstoffe oder Biozide zugesetzt werden müssen. Das macht sie besonders für Innenräume geeignet, in denen regelmäßige Biozid-Exposition vermieden werden soll.
- Feuchteregulierung: Die extreme Diffusionsoffenheit (sd-Wert ≤ 0,01 m) bedeutet, dass Wasserdampf nahezu ungehindert durch die Schicht diffundieren kann. Das Raumklima bleibt ausgewogen und die Wand kann natürlich atmen — ein entscheidender Vorteil gegenüber dampfsperrenden Latexfarben.
- Keine allergischen Reaktionen: Da keine organischen Bindemittel oder Additive enthalten sind, gibt es keine Ausdünstungen, die Schleimhäute reizen oder allergische Reaktionen auslösen könnten (nach der Aushärtung). Besonders empfehlenswert für Menschen mit Asthma oder Hausstauballergie.
| Eigenschaft | Silikatfarbe (Echt) | Latexfarbe | Standard-Dispersion |
|---|---|---|---|
| VOC-Emissionen (ausgehärtet) | Keine | Sehr gering | Gering bis mittel |
| Schimmelschutz | Ja, ohne Biozide | Nur mit Bioziden | Nur mit Bioziden |
| Diffusionsoffenheit | Sehr hoch | Gering | Mittel |
| Lebensdauer | 20–40 Jahre | 5–15 Jahre | 5–10 Jahre |
| Allergiker-Eignung | Sehr gut | Gut (je nach Produkt) | Akzeptabel |
Silikatfarbe für Feuchträume im Altbau
In Altbauten mit saisonal erhöhter Wandfeuchtigkeit (z.B. erdberührende Kellerwände oder schlecht isolierte Außenwände) ist Silikatfarbe die einzige sinnvolle Innenanstrichlösung. Latexfarbe oder Dispersion würden die Feuchtigkeit einschließen und Schimmelbildung begünstigen. Silikatfarbe lässt die Feuchtigkeit entweichen und trocknet die Wand langfristig aus.
Bei Proma Farben führen wir hochwertige Silikatfarben und das passende Silikat-Fixativ als Grundierung. Unsere Fachberatung begleitet Sie bei der Wahl der richtigen Produktvariante für Ihren Untergrund — vom einfachen Kalkputz bis zur Problemwand im Keller.
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Häufig gestellte Fragen (8)
Was macht Silikatfarbe anders als normale Wandfarbe?
Auf welchen Untergründen kann Silikatfarbe verwendet werden?
Muss ich vor Silikatfarbe immer einen Silikat-Fixativ auftragen?
Ist Silikatfarbe für Allergiker wirklich besser?
Warum ist Silikatfarbe im Altbau besonders empfehlenswert?
Wie lange hält Silikatfarbe im Innenbereich?
Kann ich Silikatfarbe selbst verarbeiten oder brauche ich einen Profi?
Kann man Silikatfarbe farbig tönen?
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