Kalkfarbe ist ein jahrtausendealtes Naturprodukt mit einzigartigen Eigenschaften: antibakteriell, hochdiffusionsoffen und frei von Lösemitteln. Alles, was Sie über Kalkfarbe wissen müssen – von der Zusammensetzung über geeignete Untergründe bis zum professionellen Auftragen.
Was Sie brauchen
Werkzeuge
- •Kalkpinsel oder Rundpinsel 10–15 cm
- •Farbquast (Flächenpinsel 20 cm)
- •Rührwerk oder Bohrmaschine mit Rührstab
- •Farbrührstock
- •Schleifpapier K120
- •Schutzbrille und Handschuhe
Materialien
- •Kalkfarbe (Sumpfkalk oder Fertigkalkfarbe)
- •Tiefengrund oder Kalkgrundierung
- •Wasser (zum Verdünnen)
- •Abdeckvlies
- •Malerkrepp
1) Was ist Kalkfarbe? Mineralische Zusammensetzung und Geschichte
Kalkfarbe gehört zu den ältesten Anstrichmitteln der Menschheit. Schon in der Antike wurden Wände mit Kalk geweißt – nicht nur aus ästhetischen Gründen, sondern auch wegen der desinfizierenden Wirkung. Der Rohstoff Kalk entsteht durch das Brennen von Kalkstein (Calciumcarbonat) bei etwa 1 000 °C. Das Ergebnis ist Branntkalk (Calciumoxid), der mit Wasser zu Kalkhydrat (Calciumhydroxid) gelöscht wird. Wird dieser Kalk über Monate oder Jahre unter Wasser gelagert, entsteht der sogenannte Sumpfkalk – die reinste und hochwertigste Form der Kalkfarbe.
Moderne Kalkfarben sind entweder als reiner Sumpfkalk (meist in Kübeln mit Wasserspiegel), als Trockenkalkfarbe (pulverförmig, zum Anrühren) oder als gebrauchsfertige Kalkfarbe (bereits mit Wasser und ggf. Hilfsstoffen gemischt) erhältlich. Alle Varianten enthalten keine synthetischen Bindemittel, keine Lösemittel und so gut wie keine flüchtigen organischen Verbindungen (VOC-Klasse A+).
Die charakteristische Eigenschaft von Kalkfarbe ist ihre Alkylität: Der pH-Wert liegt bei 12 bis 13. Das macht die ausgehärtete Oberfläche für Bakterien, Schimmelpilze und Milben lebensfeindlich. Kalkwände sind daher besonders in Küchen, Bädern und Schlafzimmern beliebt – überall dort, wo ein gesundes Raumklima gewünscht wird.
Wissenswertes
Echter Sumpfkalk enthärtet im Laufe der Zeit durch die Reaktion mit CO₂ aus der Luft (Carbonatisierung) und wird dabei wieder zu Calciumcarbonat – dem gleichen Material wie der ursprüngliche Kalkstein. Dieser Kreislauf macht Kalkfarbe zu einem der nachhaltigsten Baustoffe überhaupt.
Kalkfarbe ist von Natur aus weiß bis cremeweiß. Durch mineralische Pigmente wie Ocker, Eisenoxid oder Ultramarin lässt sie sich tönen – allerdings nur in gedeckten, gebrochenen Tönen, da organische Pigmente den hohen pH-Wert nicht vertragen. Die typischen Kalkfarb-Nuancen sind deshalb erdige Weiß-, Beige-, Ockergelb-, Terracotta- und Blau-Grau-Töne.
2) Kalkfarbe vs. Silikatfarbe vs. Dispersionsfarbe – der Vergleich
Bevor Sie sich für Kalkfarbe entscheiden, lohnt ein genauer Blick auf die Alternativen. Silikatfarben und Dispersionsfarben sind ebenfalls weit verbreitet und haben jeweils spezifische Vor- und Nachteile. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen:
| Eigenschaft | Kalkfarbe | Silikatfarbe | Dispersionsfarbe |
|---|---|---|---|
| Bindemittel | Calciumhydroxid (mineralisch) | Kaliwasserglas (mineralisch) | Kunstharzdispersion (organisch) |
| Diffusionsoffenheit (sd-Wert) | Sehr hoch (sd < 0,01 m) | Sehr hoch (sd < 0,01 m) | Mittel bis niedrig (sd 0,1–1 m) |
| pH-Wert (antibakteriell) | pH 12–13 (stark alkalisch) | pH 11–12 (alkalisch) | pH 7–9 (neutral bis leicht alkalisch) |
| VOC / Lösemittel | Keine (Klasse A+) | Keine bis minimal | Gering bis mittel |
| Tönbarkeit | Nur Erdpigmente, begrenzte Palette | Mineralische Pigmente, breite Palette | Nahezu unbegrenzt |
| Geeignete Untergründe | Kalk-, Kalkzement-, Gipsputz, Mauerwerk | Mineralische Untergründe (haftet chemisch) | Fast alle Untergründe |
| Wasserbeständigkeit | Gering – nicht für dauerhaft nasse Flächen | Hoch | Mittel bis hoch |
| Preis (ca.) | 3–12 €/L | 8–25 €/L | 1,50–6 €/L |
Wann ist Kalkfarbe die beste Wahl?
Kalkfarbe empfiehlt sich besonders für Altbauten mit Kalk- oder Kalkzementputz, für Bio-Häuser und Lehmwände, für Feuchträume (Bad, Keller ohne Staunässe) sowie für alle, die eine allergikerfreundliche, schadstofffreie Lösung suchen. Auf Gipskartonplatten oder über Dispersionsanstriche ist Kalkfarbe nur bedingt geeignet.
3) Geeignete Untergründe und Vorbereitung
Der wichtigste Schritt vor dem Kalkfarbeauftrag ist die Untergrundprüfung. Kalkfarbe haftet hervorragend auf mineralischen Untergründen – schlechte Haftung entsteht vor allem auf Dispersionsanstrichen, Kunstharzputzen oder Öl-Anstrichen.
- Ideal geeignet: Kalkputz, Kalkzementputz, unbehandelter Gipsputz, Kalkstein, Ziegel, Lehmputz
- Bedingt geeignet: Gipskartonplatten (mit Kalkgrundierung), ältere Dispersionsanstriche (mit Kalkprimer)
- Nicht geeignet: Frischer Dispersionsanstrich, Kunstharzputz, Fliesen, Metall, Holz
Prüfen Sie den Untergrund mit dem Klebestreifentest: Streifen aufkleben, abziehen – lösen sich Farbpartikel, muss der Untergrund abgekratzt oder gesperrt werden. Lose Putzstellen mit einem Spachtel aufklopfen und reparieren. Risse mit Kalkspachtel oder Kalkputzmörtel füllen und vollständig aushärten lassen.
Achtung
Kalkfarbe verträgt sich nicht mit Gips-Spachtelmassen auf Anhydritbasis. Diese müssen mit einem Isoliergrund abgesperrt werden, da der Kalk mit dem Sulfat reagiert und Kalkflecken entstehen können.
Die Vorbereitung im Detail:
- Untergrund mit Besen oder Staubsauger von Staub befreien
- Lose Putzstellen reparieren und mind. 48 Stunden trocknen lassen
- Saugende Untergründe (Neubau, frischer Putz) mit Kalkgrundierung oder verdünnter Kalkfarbe (1:5 mit Wasser) vorbehandeln
- Fenster-, Tür- und Sockelleisten mit Malerkrepp abkleben
- Boden mit Abdeckvlies schützen – Kalkfarbe hinterlässt hartnäckige Spritzer
4) Kalkfarbe auftragen – Technik und Werkzeuge
Das Auftragen von Kalkfarbe unterscheidet sich wesentlich vom klassischen Dispersionsfarbe-Streichen. Kalkfarbe wird traditionell mit einem breiten Kalkpinsel, einem Quast oder einem Flächenpinsel (Bürste) in gleichmäßigen Kreuz- oder Überkreuzstrichen aufgetragen – nicht mit einem Schaumroller. Der Grund: Kalkfarbe hat eine niedrige Viskosität und würde mit dem Roller kaum gleichmäßig verteilt werden und stark spritzen.
- Kalkfarbe vorbereiten: Fertigprodukte gut durchrühren. Sumpfkalk mit sauberem Wasser auf Streichkonsistenz verdünnen (ca. 1:1 bis 1:3 je nach Produkt). Die Farbe sollte in dünner Schicht fließen, aber nicht tropfen.
- Erster Anstrich (Grundanstrich): Dünne Schicht in horizontalen Strichen von oben nach unten auftragen. Der Anstrich soll die Poren des Untergrunds öffnen und den Haftverbund sichern.
- Trockenzeit: Mindestens 4–6 Stunden, bei guter Durchlüftung besser 12 Stunden. Kalk muss langsam und gleichmäßig carbonatisieren – keine Zugluft oder direkte Sonnenbestrahlung.
- Zweiter Anstrich: Kreuzweise zum ersten Anstrich auftragen. Kalkfarbe benötigt in der Regel 2–3 Anstriche für eine vollständige Deckkraft.
- Dritter Anstrich (optional): Für intensive Weißheit oder Farbwirkung empfehlenswert. Erneut kreuzweise arbeiten.
Profi-Tipp: Der „lebendige" Kalkeffekt
Für die charakteristische, leicht unregelmäßige Kalkoptik arbeiten Sie mit einem trockenen Pinsel quer zu den noch feuchten Strichen. Das erzeugt den typischen, handgemachten Charakter der Kalkwand – ein Effekt, der mit modernen Dispersionsfarben kaum zu erreichen ist.
Achtung: Ätzgefahr
Frische Kalkfarbe ist stark alkalisch (pH 12–13). Tragen Sie beim Arbeiten immer Schutzhandschuhe und eine Schutzbrille. Hautkontakt vermeiden – bei Berührung sofort mit viel Wasser abspülen. Kinder und Haustiere aus dem Arbeitsbereich fernhalten.
5) Gesundheit, Nachhaltigkeit und Ökobilanz von Kalkfarbe
Kalkfarbe ist aus gesundheitlicher Perspektive eine der besten Wandfarben, die man wählen kann. Durch das völlige Fehlen von Lösemitteln, Konservierungsstoffen und flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) belastet Kalkfarbe die Raumluft nach dem Austrocknen praktisch nicht. Das ist besonders für Menschen mit Allergien, Asthma oder chemischen Überempfindlichkeiten ein großer Vorteil.
Die antibakteriellen und antifungiziden Eigenschaften sind wissenschaftlich belegt: Der hohe pH-Wert von 12–13 verhindert das Wachstum von Schimmelpilzen, Bakterien und Hausstaubmilben auf der Wandoberfläche. In Kombination mit der hohen Diffusionsoffenheit – Kalkwände können Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben – entsteht ein natürliches Feuchtigkeitsmanagement, das das Raumklima reguliert.
| Kriterium | Kalkfarbe |
|---|---|
| VOC-Klasse | A+ (beste Klasse, nahezu nullemittierend) |
| Konservierungsstoffe | Keine (hoher pH-Wert verhindert Keimwachstum) |
| Schimmelschutz | Sehr gut (pH-basierter Mechanismus, kein Biozid nötig) |
| Rohstoffbasis | 100 % mineralisch, regional verfügbar |
| Allergikereignung | Sehr gut geeignet |
| Entsorgung | Als Bauschutt entsorgbar, kein Sondermüll |
| CO₂-Bilanz | Bindet beim Carbonatisieren CO₂ aus der Luft |
Nachhaltigkeit im Fokus
Kalkfarbe ist eines der wenigen Baumaterialien, das beim Aushärten aktiv CO₂ aus der Umgebungsluft bindet. Der Carbonatisierungsprozess – die Rückverwandlung von Kalkhydrat in Calciumcarbonat – absorbiert etwa 44 % der CO₂-Menge, die bei der ursprünglichen Kalksteinproduktion freigesetzt wurde. Das macht Kalkfarbe zu einem klimafreundlichen Material mit sehr guter Ökobilanz.
Einziger Nachteil: Die begrenzte Wasserbeständigkeit. Kalkfarbe ist nicht geeignet für dauerhaft nasse Oberflächen oder Bereiche mit direktem Wassersprühkontakt (Duschbereich). Für das Badezimmer empfehlen wir Kalkfarbe nur an den Wänden außerhalb des Nassbereichs – oder eine spezielle Kalkfarbe mit Zusatz von wasserabweisenden Stoffen.
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Häufig gestellte Fragen (8)
Wie viele Anstriche braucht Kalkfarbe?
Kann ich Kalkfarbe über Dispersionsfarbe streichen?
Ist Kalkfarbe im Badezimmer geeignet?
Welche Farbtöne sind mit Kalkfarbe möglich?
Wie lange hält ein Kalkfarbeanstrich?
Was ist der Unterschied zwischen Sumpfkalk und Fertigkalkfarbe?
Kann Kalkfarbe über Tapeten aufgetragen werden?
Ist Kalkfarbe für Allergiker geeignet?
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