Vom rohen Mauerwerk zur glatten Wand: Schritt-für-Schritt-Anleitung für Unterputz und Oberputz – Profi-Wissen für dauerhaft schöne Ergebnisse.
Was Sie brauchen
Werkzeuge
- •Maurerkelle
- •Putzlatte
- •Reibebrett
- •Abziehlatte
Materialien
- •Unterputz
- •Oberputz
- •Putzgrund
- •Wasser
Überblick: Putzarten und ihre Einsatzgebiete
Verputzen ist eine der grundlegenden Techniken im Ausbau und bei der Renovierung. Putz wird in Unterputz (Grundputz) und Oberputz (Edelputz) unterteilt. Der Unterputz gleicht grobe Unebenheiten des Mauerwerks aus und bildet das tragende System für den Oberputz. Der Oberputz verleiht der Fläche ihre endgültige Struktur und Optik — von glatt bis rustikal strukturiert.
Die Wahl des richtigen Putzes hängt vom Einsatzort, der gewünschten Oberfläche und dem Untergrund ab. Für Innenräume kommen hauptsächlich Gipsputz (glatte Oberflächen, schnell trocknend) und Kalkzementputz (robuster, feuchträume) zum Einsatz. Im Außenbereich sind ausschließlich witterungsbeständige Kalkzement- oder Zementputze geeignet.
| Putzart | Verwendung | Schichtdicke | Trocknungszeit |
|---|---|---|---|
| Kalkzementputz (Unterputz) | Außen & Innen, Ausgleich | 10–20 mm | 1 Tag / 10 mm |
| Gipsputz | Nur Innen, glatte Flächen | 5–15 mm | ca. 24 Stunden |
| Kalkputz | Altbau, feuchteregulierend | 10–25 mm | 1 Tag / 10 mm |
| Oberputz / Edelputz | Finish, strukturgebend | 2–5 mm | 24–48 Stunden |
Profi-Tipp
Für Anfänger ist Gipsputz am einfachsten zu verarbeiten: Er lässt sich leicht abziehen, hat eine lange offene Zeit und erzeugt sehr glatte Oberflächen. Allerdings eignet er sich nur für trockene Innenräume — im Bad oder Keller ist Kalkzementputz Pflicht.
Schritt 1: Untergrund vorbereiten
Eine gründliche Untergrundvorbereitung ist das Fundament jedes erfolgreichen Verputzens. Das Mauerwerk muss sauber, trocken und frei von losen Teilen sein. Entfernen Sie alte Putzreste und Farbanstriche vollständig. Überprüfen Sie das Mauerwerk auf Risse — tiefe Risse im Mauerwerk mit Reparaturmörtel schließen und mindestens 24 Stunden trocknen lassen.
Im nächsten Schritt werden Putzlehren (auch Putzleisten oder Putzschienen) gesetzt. Diese metallischen Führungsschienen werden mit Mörtelklecksen an der Wand befestigt und mit einer Wasserwaage exakt ausgerichtet. Sie definieren die Putzdicke und dienen als Führung für die Abziehlatte. Der Abstand zwischen den Putzlehren sollte 20–30 cm kürzer sein als Ihre Abziehlatte.
- Mauerwerk reinigen: Staub, Mörtelreste und lose Teile entfernen
- Risse und Löcher im Mauerwerk mit Reparaturmörtel schließen
- Putzgrund (Haftbrücke) auftragen — gleicht die Saugfähigkeit aus
- Putzlehren setzen: mit Mörtel befestigen, mit Wasserwaage ausrichten
- Saugstarke Untergründe (Porenbeton, Kalksandstein) vorwässern
- Fenster- und Türlaibungen mit Putzprofilen einfassen
Wichtig
Gipsputz niemals auf feuchten oder außenseitigen Wänden verwenden — er ist nicht wasserresistent und baut sich bei Feuchtigkeit ab. Im Bad, Keller und an der Fassade ausschließlich Kalkzement- oder Zementputz einsetzen.
Schritt 2: Putz anmischen
Trockenmörtel wird in einem großen, sauberen Eimer oder einer Mörtelwanne angerührt. Geben Sie die angegebene Menge kaltes Wasser vor und streuen Sie den Trockenmörtel unter ständigem Rühren ein. Ein elektrischer Rührquirl an der Bohrmaschine spart enorm viel Kraft und erzeugt eine gleichmäßigere Konsistenz als Handrühren.
Die richtige Konsistenz ist entscheidend: Zu flüssiger Putz rutscht von der Wand, zu fester Putz lässt sich nicht sauber abziehen. Der Putz sollte an der auf den Kopf gedrehten Kelle haften bleiben, ohne abzurutschen. Bei Gipsputz beträgt die Verarbeitungszeit ca. 60–90 Minuten nach dem Anmischen, bei Kalkzementputz etwa 2–3 Stunden.
- Kaltes, sauberes Wasser vorlegen (Menge laut Herstellerangabe)
- Trockenmörtel unter Rühren einstreuen — nicht klumpen lassen
- Mit Rührquirl bei niedriger Drehzahl 3–5 Minuten rühren
- 5 Minuten Quellzeit abwarten, nochmals kurz durchrühren
- Konsistenz prüfen: Putz muss an der Kelle haften, ohne zu tropfen
Profi-Tipp
Rühren Sie nie mehr Putz an, als Sie innerhalb der Verarbeitungszeit schaffen. Begonnene Gebinde nicht mit Wasser verlängern — das verschlechtert Festigkeit und Haftung massiv. Lieber häufiger kleine Mengen frisch anmischen.
Schritt 3: Unterputz auftragen & abziehen
Der Unterputz wird mit der Maurerkelle in schwungvollen Bewegungen auf die Wand geworfen (nicht gestrichen). Diese Wurftechnik sorgt für optimale Verdichtung und Haftung. Arbeiten Sie abschnittsweise zwischen zwei Putzlehren von unten nach oben. Tragen Sie den Putz großzügig auf — lieber etwas zu viel als zu wenig, denn abgezogen wird mit der Putzlatte.
Nachdem ein Abschnitt ausreichend gefüllt ist, setzen Sie die Abziehlatte (Putzlatte) auf die beiden Putzlehren und ziehen sie mit leicht sägenden Bewegungen von unten nach oben über die Fläche. Dabei wird überschüssiger Putz abgetragen und die Fläche in die Ebene der Putzlehren gebracht. Hohlstellen und Fehlstellen sofort mit frischem Putz nachfüllen und erneut abziehen.
- Putz in schwungvollen Bewegungen auf die Wand werfen — von unten nach oben arbeiten
- Abschnitt zwischen zwei Putzlehren füllen — leicht überhöht auftragen
- Abziehlatte ansetzen und mit sägenden Bewegungen von unten nach oben abziehen
- Hohlstellen identifizieren, nachfüllen und erneut abziehen
- Putzlehren nach dem Abziehen entfernen — Schlitze mit Putz füllen und glätten
- Ecken und Laibungen mit schmalem Werkzeug sauber nacharbeiten
Trocknungszeit: Pro 10 mm Schichtdicke mindestens 1 Tag einplanen. Bei 20 mm Schichtdicke also mindestens 2 Tage, bevor der Oberputz aufgetragen wird. Frischen Putz während der Trocknung vor Zugluft und direkter Sonneneinstrahlung schützen.
Wichtig
Entfernen Sie die Putzlehren nach dem Abziehen unbedingt aus der Wand. Verbleibende Metallschienen können rosten und Rostflecken durch die Farbe drücken. Füllen Sie die Schlitze sorgfältig mit dem gleichen Putzmörtel.
Schritt 4: Oberputz auftragen & strukturieren
Sobald der Unterputz vollständig durchgetrocknet ist, wird die Fläche für den Oberputz vorbereitet. Auf Gipsputz als Unterputz gehört eine Haftbrücke (Putzgrund) dazwischen — ohne sie haftet der Oberputz nicht dauerhaft. Mineralische Oberputze (Kalk, Kalkzement) brauchen in der Regel keine Haftbrücke auf mineralischem Unterputz, prüfen Sie aber die Herstellerangaben.
Tragen Sie den Oberputz dünn und gleichmäßig mit der Edelstahlglättkelle auf. Die Schichtdicke richtet sich nach der Korngröße des Putzes — in der Regel 1,5× bis 2× die Korngröße. Arbeiten Sie zügig und vermeiden Sie Unterbrechungen innerhalb einer Wandfläche, da angetrocknete Ränder zu sichtbaren Ansätzen führen.
Die Strukturierung erfolgt unmittelbar nach dem Auftragen, solange der Putz noch frisch und formbar ist:
- Glattzug: Feuchte Edelstahlglättkelle, kurz vor dem Abbinden über die Fläche ziehen — ergibt eine sehr glatte Oberfläche
- Filzputz: Mit der Filzscheibe kreisend verreiben — erzeugt eine fein strukturierte, rustikale Optik
- Reibeputz: Mit dem Kunststoff-Reibebrett kreisend oder längs verreiben — die Körner hinterlassen Rillen
- Kratzputz: Nach leichtem Anziehen mit Nagelbrett oder Stahlkamm auskratzen — ergibt eine grobe Strichstruktur
Profi-Tipp
Glätten mit der Filzscheibe immer kreisförmig durchführen — zu spätes Nacharbeiten hinterlässt Abdrücke im bereits zu festen Putz. Der richtige Zeitpunkt: Wenn der Putz beim Drücken mit dem Finger nicht mehr tief einsinkt, aber noch leicht formbar ist.
Schritt 5: Trocknung & Nachbehandlung
Die Trocknungsphase ist kritisch für die Qualität des fertigen Putzes. Zu schnelles Trocknen führt zu Schwindrissen, zu langsames Trocknen kann Schimmelbildung begünstigen. Sorgen Sie für gleichmäßige Raumtemperatur (15–25 °C) und moderate Belüftung — kein Durchzug, keine direkte Heizstrahlung.
Kalkzementputz benötigt pro 10 mm Schichtdicke mindestens einen Tag Trocknungszeit. Bei einer Gesamtschichtdicke von 20 mm (Unter- und Oberputz) sind also mindestens 3–4 Tage einzuplanen, bevor gestrichen werden kann. Gipsputz trocknet schneller — etwa 24 Stunden, erkennbar am vollständig hellen, einheitlichen Farbton.
Nach der vollständigen Trocknung kann die Fläche für den Folgeanstrich vorbereitet werden. Leichte Unebenheiten im Oberputz lassen sich vorsichtig mit feinem Schleifpapier (K180) egalisieren. Danach die gesamte Fläche mit Tiefengrund grundieren und frühestens nach 2–4 Stunden mit dem Streichen beginnen. Verwenden Sie auf mineralischen Putzen idealerweise Silikatfarbe oder Kalkfarbe — diese sind dampfdurchlässig und ergänzen die Eigenschaften des Putzes.
Profi-Tipp
Bei Kalkzementputz mindestens 4 Wochen warten, bevor gestrichen wird. In dieser Zeit carbonatisiert der Putz vollständig — zu frühes Streichen kann zu Kalkausblühungen und Haftungsproblemen führen.
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Kann ich innen Kalkzementputz verwenden?
Wie lange dauert es, bis Putz vollständig durchgetrocknet ist?
Muss ich vor dem Verputzen grundieren?
Wie viele Lagen Putz sind nötig?
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