Alles über Lacke und Lackieren: Welcher Lack für welches Material, wie man professionell vorgeht und typische Fehler vermeidet. Unser kompletter Ratgeber für Holz, Metall und Kunststoff.
Was Sie brauchen
Werkzeuge
- •Lackierpinsel 40mm
- •Schaumstoffroller
- •Schleifpapier 180/240/320er
- •Staubtuch
- •Schutzbrille
Materialien
- •Lack nach Wahl
- •Grundierung
- •Schleifpapier fein
- •Verdünner
- •Abdeckfolie
1) Überblick – Lackarten, Eigenschaften und Einsatzgebiete
Der Markt bietet eine überwältigende Auswahl an Lacken. Das Wichtigste vorab: Den richtigen Lack für das jeweilige Material und den Einsatzbereich wählen. Ein universell geeigneter Lack existiert nicht – Holz, Metall und Kunststoff stellen völlig unterschiedliche Anforderungen an Haftung, Elastizität und Chemikalienresistenz.
| Lacktyp | Anwendung | Eigenschaften | Trocknungszeit |
|---|---|---|---|
| Acryllack (wasserbasiert) | Holz, Metall, Innen | Geruchsarm, schnell trocken, vergilbt nicht | 2–4 h überlackierbar |
| Alkydharzlack (lösemittel) | Holz, Metall, Außen | Extrem hart, hoher Glanz, neigt zum Gilben | 12–24 h überlackierbar |
| PU-Lack (Polyurethan) | Möbel, Parkett, Innen | Härtester Schutz, beste Abriebfestigkeit | 4–6 h überlackierbar |
| Spraylack / Sprühlack | Kleine Teile, Metall, Deko | Gleichmäßiger Auftrag, geringe Schichtdicke | 1–2 h staubtrocken |
Faustregel zur Lackwahl
Innenbereich + Möbel = wasserbasierter Acryl- oder PU-Lack (geruchsarm, vergilbt nicht). Außenbereich + maximale Belastung = Alkydharzlack oder 2K-PU-Lack. Metall = Rostschutz-Grundierung + passender Decklack. Immer die Herstellerempfehlung auf der Dose beachten.
2) Schritt 1: Untergrund vorbereiten – 70 % des Erfolgs
Professionelle Lackergebnisse entstehen zu 70 % in der Vorbereitung. Ein schlecht vorbereiteter Untergrund zeigt sich unerbittlich unter dem Lack: Jede Unebenheit, jedes Staubkorn und jede nicht haftende Altschicht wird durch den Lackfilm vergrößert und betont. Die Vorbereitung ist identisch für Holz und Metall, nur mit materialspezifischen Zusatzschritten.
- Unebenheiten und Risse spachteln: Mit Holzspachtel (für Holz) oder Metallspachtel (für Metall) alle Vertiefungen füllen. Vollständig durchtrocknen lassen.
- Grobschliff mit 80er Körnung: Alte Lackschichten aufrauhen oder komplett abtragen. Bei Metall: Rost vollständig entfernen bis auf blankes Metall.
- Feinschliff mit 120er Körnung: Oberfläche gleichmäßig glätten. Schleifspuren der 80er Körnung beseitigen.
- Entfetten (besonders bei Metall): Mit Isopropanol oder Aceton alle Fettspuren entfernen. Metall ohne Entfettung = Lack haftet nicht.
- Schleifstaub vollständig entfernen: Absaugen, dann mit Staubbindetuch (Tack Cloth) abwischen. Kein feuchtes Tuch auf Metall – Rostgefahr!
Bei Metall zusätzlich: Rostschutzgrund oder Zinkphosphat-Grundierung vor dem Decklack auftragen. Ohne Rostschutz rostet Metall unter dem Lack weiter und sprengt die Lackschicht von innen ab.
3) Schritt 2: Grundierung auftragen – Haftung und Schutz
Die Grundierung ist der unverzichtbare Verbindungsschicht zwischen Untergrund und Decklack. Sie haftet auf dem Untergrund und bietet dem Decklack eine optimale Oberfläche zum Anhaften. Ohne Grundierung ist die Haftung des Decklacks deutlich schlechter – besonders auf schwierigen Untergründen wie Metall, Kunststoff oder glattem Altlack.
- Passende Grundierung wählen: Holzgrund für Holz, Rostschutzgrund für Metall, Kunststoff-Primer für Kunststoff. Universalgrundierungen sind ein Kompromiss – Spezialprodukte haften besser.
- Dünn und gleichmäßig auftragen: Mit Pinsel oder Schaumstoffroller. Die Grundierung soll keine dicke Schicht bilden, sondern die Poren füllen und eine gleichmäßige Basis schaffen.
- Trocknungszeit: Mindestens 4–6 Stunden bei 20 °C. Herstellerangaben beachten – manche Grundierungen brauchen 12–24 Stunden.
- Zwischenschliff mit 180er Papier: Nach dem Trocknen die Grundierung leicht anschleifen. Aufstehende Fasern (Holz) und Staubeinschlüsse entfernen. Staub vollständig abnehmen.
Profi-Tipp: Isoliergrund
Bei stark verfärbtem Holz (Nikotin, Wasserflecken, Harzflecken) einen Isoliergrund auf Schellack-Basis verwenden. Er verhindert das Durchschlagen von Flecken und Verfärbungen durch den weißen Decklack – sonst scheinen die Flecken nach Wochen wieder durch.
4) Schritt 3: Zwischenschliff vor dem Decklack
Der Zwischenschliff nach der Grundierung und zwischen den Decklack-Schichten ist das Geheimnis professioneller Lackierer. Er entfernt Staubeinschlüsse, glättet die Oberfläche und erzeugt eine mikroskopisch aufgeraute Oberfläche, die dem nächsten Lackauftrag optimale Haftung bietet. Profis schleifen nach jeder Schicht – ohne Ausnahme.
- Nach Grundierung: 180er Schleifpapier verwenden. Leicht glätten, nicht durchschleifen.
- Nach erstem Decklack: 240er Schleifpapier verwenden. Noch leichter schleifen – nur Staubpunkte und Unebenheiten beseitigen.
- Vor dem letzten Anstrich: 320er Schleifpapier für perfekte Glätte. Diese Feinheit erzeugt eine Oberfläche, die spiegelglatt lackiert werden kann.
- Staub immer vollständig entfernen: Staubbindetuch oder Druckluft (mit Wasserabscheider). Jedes verbliebene Staubkorn wird unter dem Lack als Pickel sichtbar.
| Typischer Fehler | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Nasenbildung (Läufer) | Zu viel Lack, zu dicker Auftrag | Trocknen lassen, mit 240er abschleifen, neu lackieren |
| Staubeinschlüsse | Staubiger Raum, kein Staubtuch | Ausschleifen, Raum staubfrei machen, neue Schicht |
| Orangenhaut | Zu dicke Schicht oder falscher Spritzabstand | Nassschleifen mit 600er, polieren oder neu lackieren |
| Haftungsprobleme | Untergrund nicht vorbereitet / fettig | Komplett bis auf den Untergrund abtragen, neu aufbauen |
5) Schritt 4: Erster Decklack – streifenfrei auftragen
Der Decklack ist die sichtbare Oberfläche Ihres Werkstücks – hier zählt Perfektion. Die Technik entscheidet über ein streifenfreies, glanzklares Ergebnis oder sichtbare Pinselstriche und ungleichmäßige Schichtdicken.
- Lack gut aufrühren (nicht schütteln). Bei 2K-Lacken: Harz und Härter exakt nach Anleitung mischen, Topfzeit beachten.
- Werkzeug wählen: Pinsel für Profilteile und Details, Schaumstoffroller für glatte Flächen (kaum Rollstruktur). Für Hochglanz-Ergebnisse: Feinsprühsystem oder HVLP-Spritzpistole.
- Dünn und gleichmäßig auftragen: Pinsel nur halb eintauchen, überschüssigen Lack am Dosenrand abstreifen. In langen, gleichmäßigen Bahnen arbeiten.
- Nass-in-nass arbeiten: Im noch nassen Bereich bleiben, keine Kanten entstehen lassen. Immer in eine Richtung ausstreichen.
- Optimale Bedingungen: 18–23 °C Raumtemperatur, keine Zugluft, kein direktes Sonnenlicht. Fenster und Türen während des Lackierens geschlossen halten.
Profi-Tipp Hochglanz
Für perfekten Hochglanz: Nach dem vollständigen Durchtrocknen des letzten Decklacks mit 600er Nassschleifpapier nassschleifen, dann mit Schleifpaste und Poliermittel auf Hochglanz bringen. Diese Technik wird bei Musikinstrumenten und Oldtimer-Restaurierungen eingesetzt und erzeugt spiegelglatte Oberflächen.
6) Schritt 5–6: Trocknungszeit & zweiter/dritter Decklack
Geduld ist beim Lackieren die wichtigste Tugend. Jede Schicht muss vollständig trocknen, bevor die nächste aufgetragen wird. Zu frühes Überlackieren löst die untere Schicht an und erzeugt Falten, Blasen oder matte Stellen. Für ein professionelles Ergebnis sind mindestens 3 Schichten erforderlich: 1× Grundierung + 2× Decklack.
- Trocknungszeit einhalten: Wasserbasierte Lacke: 4–6 Stunden bis überlackierbar. Lösemittelhaltige Lacke: 12–24 Stunden. Herstellerangaben immer beachten.
- Zwischenschliff mit 240er–320er Papier: Oberfläche glätten, Staubeinschlüsse entfernen. Staubbindetuch verwenden.
- Zweiter Decklack auftragen: Exakt wie den ersten – dünn, gleichmäßig, nass-in-nass. Die zweite Schicht sorgt für volle Farbdeckung und Tiefe.
- Dritter Decklack (bei Bedarf): Für maximale Strapazierfähigkeit oder bei dunklen Farben auf hellem Untergrund. Nochmals zwischenschleifen, dann final auftragen.
- Vollständige Aushärtung abwarten: Wasserbasierte Lacke: 7–14 Tage. Lösemittelhaltige Lacke: 14–28 Tage. Erst dann ist der Lack voll belastbar.
Ein zusätzlicher Tag Trocknungszeit zwischen den Schichten ist immer die richtige Entscheidung – lieber einen Tag länger warten als das Ergebnis durch Übereilung zu ruinieren.
7) Schritt 7: Finish, Aushärtung & Pflege
Nach dem letzten Lackauftrag beginnt die Aushärtungsphase. Der Lack ist zwar nach wenigen Stunden trocken, erreicht seine volle Härte und Chemikalienresistenz aber erst nach 7–28 Tagen (je nach Produkt). In dieser Zeit schonend behandeln – keine schweren Gegenstände abstellen, keine Folien auflegen, keine scharfen Reiniger verwenden.
- Aushärtungszeiten: Wasserbasiert 7–14 Tage, lösemittelhaltig 14–28 Tage, 2K-Lacke 7 Tage.
- Möbel zurückstellen: Frühestens nach 72 Stunden. Filzgleiter unter Stuhlbeine und Tischbeine kleben – Kratzer auf frischem Lack sind besonders ärgerlich.
- Reinigung: Nach vollständiger Aushärtung mit weichem, leicht feuchtem Tuch und pH-neutralem Reiniger. Keine Scheuermittel, keine aggressiven Reiniger.
- Kratzerreparatur: Kleine Kratzer mit Lackstift gleicher Farbe ausbessern. Tiefe Kratzer: Stelle fein anschleifen (320er), Grundierung und Decklack lokal nacharbeiten.
- Werkzeugreinigung: Wasserbasierte Lacke: sofort mit Wasser und Seife. Lösemittelhaltige Lacke: mit Verdünner oder Pinselreiniger. Eingetrocknete Werkzeuge sind verloren.
Profi-Tipp: Gilben verhindern
Weißer Alkydharzlack gilbt mit der Zeit – besonders hinter Möbeln und in dunklen Bereichen (Sauerstoffmangel beschleunigt den Prozess). Für dauerhaft weißen Lack verwenden Sie wasserbasierte Acryl- oder PU-Lacke: Diese vergilben auch nach Jahren nicht und sind die bessere Wahl für Türen, Fensterrahmen und Möbel in Weiß.
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