Rauhfaser tapezieren & streichen – Anleitung & Tipps
Anleitung

Rauhfaser tapezieren & streichen – Anleitung & Tipps

Proma Farben Redaktion7. April 202615 Min. Lesezeit

Raufaser ist der Klassiker unter den Tapeten — robust, günstig und leicht verarbeitbar. Mit unserer Anleitung tapezieren und streichen Sie Raufaser wie ein Profi.

Was Sie brauchen

Werkzeuge

  • Kleisterpinsel
  • Tapeziertisch
  • Nahtrolle
  • Farbroller

Materialien

  • Rauhfasertapete
  • Tapetenkleister
  • Dispersionsfarbe

Überblick: Warum Raufaser nach wie vor beliebt ist

Raufasertapete — auch Rauhfaser genannt — gehört seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Tapeten in Deutschland. Sie besteht aus einem Papierträger, in den Holz- oder Papierfasern eingearbeitet sind. Diese Fasern erzeugen die charakteristische raue, unebene Oberfläche, die nach dem Tapezieren überstrichen wird. Der größte Vorteil: Raufaser kaschiert kleine Wandunebenheiten und kann 5 bis 10 Mal überstrichen werden, bevor sie erneuert werden muss.

KörnungBeschreibungEmpfohlener Einsatz
FeinGleichmäßige, dezente StrukturWohnzimmer, Schlafzimmer
MittelMarkante Holzfasern sichtbarUniversell, am beliebtesten
GrobStarke Struktur, sehr robustFlure, Treppenhäuser, Gewerbe

Da Raufaser kein Muster hat, entfällt der Rapportausgleich komplett — das Zuschneiden ist denkbar einfach und der Verschnitt minimal. Für Anfänger ist Raufaser daher ein idealer Einstieg.

Schritt 1: Raum & Werkzeug vorbereiten

Die Raumvorbereitung für Raufaser unterscheidet sich nicht von anderen Tapetenarten. Räumen Sie den Raum leer, legen Sie den Boden mit Abdeckvlies aus, sichern Sie Steckdosen und Schalter und entfernen Sie Abdeckrahmen. Stellen Sie den Tapeziertisch auf und legen Sie alle Werkzeuge bereit.

Für Raufaser benötigen Sie zusätzlich zu den Standard-Tapezierwerkzeugen einen Farbroller mit 12–18 mm Florlänge für das spätere Überstreichen. Außerdem einen breiten Kleisterpinsel — der Kleister wird bei Raufaser auf die Tapete aufgetragen, nicht auf die Wand.

  • Tapeziertisch, Kleisterpinsel, Gummirakel
  • Nahtrolle, Cuttermesser, Stahllineal
  • Wasserwaage und Bleistift
  • Farbroller (12–18 mm Flor) und Farbwanne
  • Abdeckvlies, Malerkrepp, Abdeckfolie

Profi-Tipp

Kaufen Sie den Tapetenkleister immer für „schwere Tapeten" — Raufaser ist dicker und schwerer als normale Papiertapete und braucht einen klebkräftigeren Kleister für zuverlässige Haftung.

Schritt 2: Untergrund vorbereiten

Die Wand muss trocken, sauber und tragfähig sein. Entfernen Sie alle alten Tapeten vollständig — auch wenn Sie Raufaser auf Raufaser kleben könnten, ist das Ergebnis optisch unbefriedigend, da die Struktur dann doppelt liegt. Nach dem Entfernen die Wand mit Wasser reinigen, Risse und Löcher spachteln, trocknen lassen und mit Schleifpapier K120 glätten.

Grundieren Sie die gesamte Wand mit Tiefengrund. Raufaser ist eine Papiertapete und reagiert empfindlich auf ungleichmäßig saugende Untergründe — an stark saugenden Stellen trocknet der Kleister zu schnell, die Tapete hält dort nicht. Tiefengrund egalisiert die Saugfähigkeit und verbessert die Haftung deutlich.

Messen Sie die Wandhöhe und schneiden Sie die Bahnen mit 5 cm Überstand oben und unten zu. Da Raufaser kein Muster hat, ist das Zuschneiden sehr einfach — einfach nach Maß schneiden und nummerieren.

Profi-Tipp

Achten Sie trotz fehlendem Muster darauf, dass alle Bahnen in der gleichen Richtung hängen. Die Faserstruktur hat eine leichte Richtung, die im Streiflicht sichtbar sein kann — hängen Bahnen in verschiedenen Richtungen, fällt das auf.

Schritt 3: Kleister anrühren & Tapete einweichen

Raufaser ist eine klassische Papiertapete und muss eingeweicht werden — das ist der entscheidende Unterschied zur Vliestapete. Rühren Sie den Kleister gemäß Packungsanweisung an: Kaltes Wasser in den Eimer, Kleisterpulver langsam einrieseln und kräftig rühren, 10–15 Minuten quellen lassen, nochmals umrühren.

Legen Sie die Bahn mit der Rückseite nach oben auf den Tapeziertisch. Tragen Sie den Kleister mit dem Kleisterpinsel gleichmäßig von der Mitte zu den Rändern auf. Achten Sie besonders auf die Ränder — dort wird häufig zu wenig Kleister aufgetragen, was zu offenen Nähten führt.

  1. Bahn mit der Rückseite nach oben auf den Tapeziertisch legen.
  2. Kleister gleichmäßig auftragen — von der Mitte zu den Rändern streichen.
  3. Bahn zusammenfalten: Kleisterseite auf Kleisterseite, ohne zu knicken.
  4. Einweichzeit einhalten: 5–8 Minuten (Herstellerangabe beachten).
  5. Jede Bahn gleich lang einweichen — unterschiedliche Einweichzeiten führen zu ungleichmäßiger Dehnung.

Wichtig

Einweichzeit exakt einhalten! Zu kurz eingeweicht: Die Tapete dehnt sich erst an der Wand aus und wirft Blasen. Zu lang eingeweicht: Die Tapete wird zu weich, reißt beim Handling und der Kleister verliert seine Klebkraft. Stellen Sie sich einen Timer.

Schritt 4: Raufaser anbringen

Hängen Sie die eingekleisterte und eingeweichte Bahn an die Wand. Beginnen Sie oben, richten Sie die Kante an der Lotlinie aus und glätten Sie von oben nach unten mit einem Gummirakel oder einer Tapezierbürste — immer von der Mitte nach außen, um Luftblasen herauszuarbeiten.

Raufasertapete wird stoßend verlegt — Kante an Kante, ohne Überlappung und ohne Lücke. Drücken Sie die Nähte sofort mit einer Nahtrolle an. Überschüssigen Kleister sofort mit einem feuchten Schwamm abwischen. Schneiden Sie die Überstände an Decke und Boden mit dem Cuttermesser sauber ab.

In Ecken die Bahn so zuschneiden, dass 1–2 cm um die Ecke greifen. An der neuen Wand eine frische Lotlinie setzen und die nächste Bahn leicht überlappend ansetzen. Steckdosen und Schalter wie gewohnt ausschneiden (Kreuzschnitt).

Profi-Tipp

Tapezieren Sie ohne Zugluft — Fenster und Türen geschlossen halten. Bei Raufaser ist das besonders wichtig, weil die eingekleisterte Tapete empfindlicher auf Austrocknung reagiert als Vliestapete. Die Nähte öffnen sich bei Zugluft innerhalb von Minuten.

Schritt 5: Raufaser überstreichen

Raufaser wird nach dem Tapezieren immer überstrichen — sie ist im Rohzustand weiß und hat keine fertige Oberfläche. Warten Sie nach dem Tapezieren mindestens 24 Stunden (besser 48 Stunden), bis die Tapete vollständig getrocknet ist. Erst dann darf gestrichen werden.

  1. Erster Anstrich (Grundanstrich): Tragen Sie die Dispersionsfarbe leicht verdünnt auf (ca. 10 % Wasser). Dieser erste Anstrich dient als Grundierung und sättigt die Fasern.
  2. Trocknen lassen: Mindestens 4–6 Stunden, besser über Nacht.
  3. Aufgestellte Fasern behandeln: Beim ersten Nassanstrich quellen einige Fasern auf und stehen ab. Nach dem Trocknen mit einem leicht rauen Schwamm oder feinem Schleifpapier (K180) vorsichtig darüberfahren.
  4. Zweiter Anstrich (Deckanstrich): Farbe unverdünnt in der gewünschten Farbe auftragen. Gleichmäßig rollen — immer nass in nass arbeiten, keine Ansätze trocknen lassen.

Verwenden Sie einen Farbroller mit 12–18 mm Florlänge, um auch in die Vertiefungen der Raufaserstruktur zu gelangen. Kurzflorige Roller decken nur die Erhöhungen ab und hinterlassen ein fleckiges Bild. In Ecken und an Kanten mit einem breiten Pinsel (Eckenroller) nacharbeiten.

Profi-Tipp

Verwenden Sie hochwertige Dispersionsfarbe mit Deckkraftklasse 1 oder 2 — so kommen Sie mit weniger Anstrichen aus und das Ergebnis ist gleichmäßiger. Billige Farben erfordern oft 3 oder mehr Anstriche, was weder Zeit noch Kosten spart.

Schritt 6: Trocknen & Finish

Nach dem letzten Anstrich die Farbe mindestens 6–8 Stunden trocknen lassen, bevor Sie den Raum nutzen. Lüften Sie erst, wenn die Farbe vollständig getrocknet ist. Dann können Sie Malerkrepp und Abdeckungen entfernen, Steckdosen-Abdeckrahmen montieren und Möbel zurückstellen.

Prüfen Sie das Ergebnis im Streiflicht: Sind alle Stellen gleichmäßig deckend? Gibt es Ansätze oder Rollerspuren? Sind die Nähte unsichtbar? Falls Stellen nachgearbeitet werden müssen, immer die gesamte Wand überstreichen — punktuelles Nachstreichen hinterlässt sichtbare Flecken.

Raufaser kann später problemlos erneut überstrichen werden. Bei jedem Neuanstrich wird die Struktur etwas glatter, weil sich die Farbschichten in den Vertiefungen ansammeln. Nach 5–10 Anstrichen ist die Struktur weitgehend zugedeckt und die Tapete sollte erneuert werden.

Profi-Tipp

Bewahren Sie immer einen Rest der verwendeten Farbe in einem kleinen, verschlossenen Gefäß auf. So können Sie Kratzer oder Beschädigungen punktuell ausbessern, ohne die gesamte Wand streichen zu müssen.

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Häufig gestellte Fragen (10)

Wie oft kann man Raufasertapete überstreichen?
Raufaser kann in der Regel 5 bis 10 Mal übergestrichen werden, solange die Haftung gut ist. Mit jeder Farbschicht wird die Struktur etwas flacher. Wenn die charakteristische Rauheit verschwunden ist, sollte die Tapete erneuert werden.
Welche Farbe eignet sich für Raufaser?
Dispersionsfarben eignen sich am besten. Wählen Sie eine Farbe mit guter Deckkraft (Klasse 1 oder 2), damit Sie mit möglichst wenigen Anstrichen auskommen. Seidenmatten Farben geben der Raufaser einen edleren Look als matte Farben.
Muss ich Raufaser grundieren, bevor ich streiche?
Den ersten Anstrich können Sie ca. 10 % mit Wasser verdünnen — das wirkt wie eine Grundierung und sättigt die saugfähigen Fasern. Bei sehr saugender oder frisch tapezierter Raufaser kann ein separater Tiefengrund vor dem Streichen sinnvoll sein.
Warum stehen nach dem Streichen Fasern auf der Raufaser ab?
Das ist normal beim ersten Nassanstrich: Die Fasern quellen durch die Feuchtigkeit der Farbe auf. Nach dem Trocknen mit einem leicht rauen Schwamm oder feinem Schleifpapier (K180) darüberfahren, dann den zweiten Anstrich auftragen — danach ist die Oberfläche glatt.
Kann ich Raufaser auch farbig streichen?
Ja, absolut! Raufaser kann in jeder beliebigen Dispersionsfarbe gestrichen werden. Die Struktur der Raufaser gibt auch bei bunten Farben einen ansprechenden Effekt. Dunkle Farben erfordern möglicherweise einen zusätzlichen Anstrich für gleichmäßige Deckung.
Wie lange muss Raufaser trocknen, bevor ich streiche?
Mindestens 24 Stunden bei Raumtemperatur (18–22 °C). Bei hoher Luftfeuchtigkeit oder kaltem Wetter lieber 48 Stunden warten. Niemals feuchte Raufaser streichen — das führt zu Blasen, Ablösungen und schlechter Farbhaftung.
Wie gehe ich mit Raufaser in Ecken um?
Schneiden Sie die Bahnen so zu, dass sie ca. 1–2 cm in die Ecke überlappen. Die nächste Bahn auf der neuen Wand an einer frischen Lotlinie beginnen. So entsteht eine stabile, optisch saubere Ecke, die auch bei leicht schiefen Altbau-Ecken funktioniert.
Raufaser fein oder grob — was empfehlen Sie?
Für Wohnräume: Raufaser mittel oder fein für eine dezente, elegante Struktur. Grobe Raufaser ist robuster und kaschiert Unebenheiten besser — ideal für Flure und Treppenhäuser, wo die Wand stärker beansprucht wird.
Kann ich Raufaser ohne Tapeziertisch verarbeiten?
Ein Tapeziertisch ist bei Raufaser fast unverzichtbar, da der Kleister auf die Tapete aufgetragen wird. Ohne Tapeziertisch können Sie die Bahn auf einer sauberen Plane am Boden einstreichen — das ist aber umständlicher und Sie riskieren, dass Schmutz an den Kleister kommt.
Was kostet Raufasertapete im Vergleich zu anderen Tapeten?
Raufaser ist eine der günstigsten Tapeten — zwischen 0,50 und 2,00 € pro Quadratmeter. Dazu kommen Kleister (ca. 5–10 € für einen Raum) und Farbe (ca. 20–40 €). Im Vergleich zu Design-Vliestapeten (3–15 €/m²) ist Raufaser äußerst wirtschaftlich.

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